Baustoffe aus Kartonagen
Spanische Forscher haben ein Verfahren entwickelt, mit dem sich Abfälle und Schlämme aus Karton- und Papierfabriken zu Ziegeln umformen lassen.
In der Papierindustrie fällt viel Müll an – von nicht weiter verwertbarer Zellulose bis hin zu Abwässern, in denen Papierreste schwimmen. Forscher an der Universität Jaén in Spanien haben nun ein Verfahren entwickelt, um diese Stoffe einer sinnvollen Nutzung zuzuführen, berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe. Dabei wird der Papierabfall mit einem Keramikmaterial vermischt und zu Ziegelsteinen verpresst. Das Ergebnis soll ein Baustoff hoher Qualität sein, der zudem aufgrund seiner geringen Wärmeleitfähigkeit gut isoliert.
Die momentan in einer Spezialmaschine erzeugten Prototypsteine sind mit drei mal sechs Zentimetern noch sehr kompakt, konnten aber schon zeigen, dass sie die versprochenen Leistungsparameter einhalten. Derzeit ist die mechanische Stabilität noch nicht ganz so hoch wie bei traditionellen Ziegeln, bewegt sich laut dem Team um die Forscherin Carmen MartĂnez aber im gesetzlichen Rahmen.
Die Wissenschaftler haben neben Zelluloseabfällen auch weitere organische Materialien als Ziegelausgangsstoff untersucht – darunter Überbleibsel aus der Biodieselproduktion sowie aus Bier- und Olivenölherstellung. Besonders die Biodieselabfallstoffe zeigten hier eine hohe Isolationsleistung mit einer Steigerung von 40 Prozent im Vergleich zu herkömmlichen Steinen. Auch in der Produktion hat der recycelte Müll Vorteile: Er dient beim Brennen als zusätzliche Energieträger, was die Brennzeit reduziert.
Die Idee, Lehm und Ton mit anderen organischen Materialien zu mischen, ist indes nicht neu. Im Lehmbau ergänzt man zur zusätzlichen Isolation schon seit Jahrhunderten Stroh und andere Zellulose-haltige Materialien. So wurde lange Zeit Pferdemist zugesetzt, indem unverottbaren Faserstoffe stecken, weil Pferde keine Wiederkäuer sind – auch eine Form des Recyclings.
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(bsc)