Embryonale Stammzellen als Testumgebung

Eine US-Forscherin will neue Wirkstoffe auf ihre Toxizität prüfen, um Ungenauigkeiten bei Tiermodellen zu umgehen.

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Die Überprüfung der Giftigkeit von potenziellen neuen Medikamenten an Versuchstieren wie Ratten ist beileibe nicht immer verlässlich: Es kommt nicht selten vor, dass die Nager mit den Wirkstoffen zwar umgehen können, sie beim Menschen aber dennoch verheerend wirken. Um solche Gefahren besser vorhersagen zu können, erforscht Gabriela Cezar, Juniorprofessorin an der University of Wisconsin-Madison, ob sich menschliche embryonale Stammzellen als genauere Untersuchungsumgebung eignen, berichtet das Technologiemagazin Technology Review in seiner Online-Ausgabe. In einer Stude zeigt die Wissenschaftlerin zusammen mit mehreren Kollegen eine neue Methode, bei der die molekularen Reaktionen solcher Zellen auf Wirkstoffe getestet werden.

Das Ergebnis soll deutlich präziser ausfallen als bei konventionellen Untersuchungen an Tiermodellen. Entwickeln sich Stammzellen normal, produzieren sie Moleküle, die den Zellstoffwechsel und die Ausdifferenzierung steuern. Cezars Hypothese: Sind hinzugegebene Wirkstoffe giftig, ändern sich die Konzentrationen dieser Moleküle, und die Interaktion zwischen den Zellen wird unterbrochen. Überprüft hat das die Forscherin am Epilepsiewirkstoff Valproat, der mit Autismus-Fällen und Fehlbildungen im Mutterleib in Verbindung gebracht wird, wird er während der Schwangerschaft eingenommen.

Doch das Konzept, Medikamente an embryonalen Stammzellen zu testen, ist noch ein sehr neues Gebiet – und viele von Cezars Kollegen glauben, dass noch deutlich mehr Forschung betrieben werden muss, bevor feststeht, dass die Methode funktioniert. Hinzu kommt die heikle ethische Debatte um den Verbrauch von embryonalen Stammzellen im Labor. Steven Tannenbaum, Professor für Chemie und Toxikologie am MIT, gibt zu bedenken, dass der Medikamentenstoffwechsel im Körper ein komplexer Prozess sei. "Mehr als 90 Prozent der Wirkstoffe werden in der Leber zu anderen Varianten ihres Ausgangsproduktes verstoffwechselt – und einige davon können erst dann toxisch sein." Cezar will deshalb nun aus Stammzellen Leberzellen züchten, um neue Medikamente direkt an diesen zu testen.

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(bsc)