Das mitdenkende Schlaflabor
Forscher an der University of Washington arbeiten an einer Rundumerfassung zur Diagnose von Schlafstörungen.
- Nidhi Subbaraman
Forscher an der University of Washington arbeiten an einer Rundumerfassung zur Diagnose von Schlafstörungen.
Die Verwendung von Schlaftrackern liegt im Trend. Man kann die Gadgets mittlerweile in Form von Headsets, Armbändern oder Ansteckgeräten erwerben und sie sogar unter der Matratze platzieren. Gemessen werden dabei je nach Produkt Bewegungen, Körpertemperatur oder gar die elektrische Aktivität im Gehirn.
Forscher an der University of Washington haben mit dem Lullaby nun ein mobiles Schlaflabor entwickelt, das einen Schritt weitergeht. Es zeigt nicht nur, wann man schlecht schläft, sondern hilft auch, zu verstehen, warum es passiert. Dazu werden diverse externe Faktoren gemessen – von der Raumtemperatur über die Umgebungslichtintensität bis hin zu den Hintergrundgeräuschen. All das wird dann mit den Daten eines Fitbit-Bewegungssensors kombiniert, der am Arm getragen wird und erfassen kann, wenn man sich im Schlaf umdreht oder aufwacht. Außerdem erfasst eine Infrarotkamera den Schläfer und schießt alle 15 Sekunden ein Bild. So ergibt sich eine Art Schlaftagebuch, das man sich dann am nächsten Morgen beim Kaffee auf einem Tablet ansehen kann.
In einem Feldversuch untersuchten vier Testschläfer das Lullaby-System zwei Wochen lang und installierten es auf ihrem Nachttisch. Die Entwickler haben dabei auch an den Schutz der Privatsphäre der Nutzer gedacht: Diese konnten Teile des Bildmaterials, das sie nicht analysiert haben wollten, löschen – ebenso wie möglicherweise mitaufgezeichnete Konversationen vor der Nachtruhe. Zudem ließ sich das Gerät auch ausschalten.
Die Tester sammelten etwas mehr als ein Dutzend Schlafproben. Ein Nutzer entdeckte für sich erstmals die Frequenz seiner Schnarchattacken, während ein anderer erkannte, wie oft er sich im Schlaf umdreht. In einem dritten Fall war mit dem System sogar festzustellen, wann die Versuchsperson mit dem Schlafwandeln begann.
Zwar löschten die Tester Teile von Gesprächen vor dem Schlaf sowie andere intime Momente, doch die Daten während der Schlafphasen selbst wurden stets vollständig gesammelt. Natürlich interessierten sich die Testpersonen besonders für ihr Schlafverhalten, sonst hätten sie an der Studie kaum teilgenommen. Trotzdem ist es durchaus erstaunlich, wie positiv die Technik auf dem Nachttisch bewertet wurde – ein Privatsphärenproblem sahen die Nutzer nicht.
Das Speicherproblem existiert aber bereits bei kommerziellen Schlaftrackern wie den Geräten von Zeo oder Fitbit. Die Hardware-Anbieter sammeln die Schlafinfos in eigenen Datenbanken und Portalen, damit sie ausgewertet werden können. Auch eine Profilbildung ist so möglich – auch wenn stets versprochen wird, dass man pfleglich mit den Informationen umgeht. (bsc)