Hirnscan zur Autismus-Diagnose
Bislang ließ sich die tiefgreifende Entwicklungsstörung nur indirekt feststellen. Ein neuer Test könnte das nun ändern.
Wissenschaftler am Baylor College of Medicine haben Jugendliche, die am Asperger-Syndrom leiden, mit bildgebenden Verfahren untersucht – und zwar während sie ein Spiel spielten, in dem soziale Interaktionen eingeübt werden. Dabei stellte sich heraus, dass sich bestimmte Gehirnprozesse bei dieser milderen Form des Autismus offenbar von denen bei gesunden Menschen unterscheiden, berichtet das Technologiemagazin Technology Review in seiner Online-Ausgabe. Bislang existieren für den Autismus, der sich weltweit auf dem Vormarsch befindet, noch immer keine medizinischen Diagnosetests – typischerweise wird auf Basis von Beobachtungen des Arztes entschieden. Die Wissenschaft sucht schon seit Längerem mit großem Elan nach objektiveren Merkmalen, doch die Identifizierung spezifischer Gehirnanomalien blieb stets problematisch.
Die Baylor-Studie, die nun im Journal Neuron veröffentlicht wurde, könnte auch Anhaltspunkte für spätere Untersuchungen über die genauen Hintergründe der Krankheit liefern. "Ich halte das für einen spannenden Fortschritt", sagt Uta Frith, Professorin am University College London, die über die Arbeit für Neuron schrieb. Die meisten Studien fänden nur geringe Unterschiede zwischen normalen Menschen und Autisten mit normalem Intelligenzniveau. "Es ist ziemlich beeindruckend, dass hier nun derart große Veränderungen festgestellt wurden."
Die Baylor-Forscher glauben, nun konkrete physiologische Unterscheidungsmerkmale gefunden zu haben. Mit dem bildgebenden Verfahren wurde ins Gehirn der Testpersonen geschaut, während sie ein so genanntes Vertrauensspiel spielten. Dabei unterschieden sich gesunde Menschen von Asperger-Patienten offenbar in einem entscheidenden Punkt: Ein Signal, das normalerweise für die Differenzierung zwischen der Ich-Person und dem anderen Spielteilnehmer steht, war bei letzteren nicht festzustellen. "Wir denken, dass das eine unterbewusste Feststellung des Gehirns ist, wem die jeweilige Aktion zugeschrieben werden soll", sagt Studienleiter Read Montague. Über die genaue Bedeutung dieses Unterschieds sind sich die Wissenschaftler bislang allerdings noch nicht einig – sie planen weitere Forschungen und wollen ihren Ansatz dann zu einem Diagnoseverfahren weiterentwickeln.
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(bsc)