Daihatsu zieht sich zurĂĽck

Die japanische Toyota-Tochter verkauft in Europa keine Neuwagen mehr. Damit endet keine Erfolgsgeschichte, denn die Marke hat es seit ihrem Start hierzulande schwer. Ein RĂĽckblick

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München, 5. Januar 2013 – Daihatsu hat den Verkauf von Neuwagen Ende Januar in ganz Europa eingestellt, auch Daihatsu Deutschland ist damit Geschichte. Ein Rückblick auf einen japanischen Autohersteller, der es hierzulande schwer hatte.

Seit 1977 war Daihatsu auf dem deutschen Markt mehr oder weniger präsent. Seit September 1998 hatte Toyota eine Aktienmehrheit an Daihatsu, doch die Verkäufe in Europa konnte das nicht beflügeln. Vor zwei Jahren gaben die Japaner bekannt, dass in Europa bald Schluss ist. Die kleinen Modelle warfen nach Angaben des Konzerns im harten Preiswettbewerb nach der Umrechnung in japanische Yen zu wenig Gewinn ab – und Preiserhöhungen sind in diesem Segment nur schwierig durchzusetzen. Prof. Stefan Bratzel von der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach sieht auch Mängel in der Markenpräsenz. „Daihatsu hat es tatsächlich nie geschafft, eine gewisse Wahrnehmung beim Kunden zu erreichen. Dafür waren die Verkaufszahlen einfach zu gering.“

Daihatsu zieht sich zurĂĽck (8 Bilder)

Der Daihatsu Materia wird seit 2006 gebaut. In Deutschland wurde er nur bis 2010 angeboten.

So blieb auch das früh verkündete Aus nicht ohne Folgen: In den zwölf Monaten des Geschäftsjahrs bis Ende März 2012 wurden nur noch 972 Autos in Deutschland verkauft. Viele Käufer hatten sich wohl schon gedanklich von der Marke verabschiedet. „Man braucht eine gewisse Größenordnung, um beim Kunden wahrgenommen zu werden“, sagt Bratzel. „Da müssen schon einige 10.000 Fahrzeuge jährlich verkauft werden.“ Doch die wenigen Verkäufe am Schluss täuschen etwas darüber hinweg, dass Autofahrer in Deutschland die Marke nicht ganz uninteressant fanden. Nach Daten des Kraftfahrtbundesamtes waren Anfang 2012 hierzulande noch mehr als 135.000 Autos mit dem geschwungenen „D“ am Kühlergrill zugelassen.

Wer einen Daihatsu besitzt, braucht sich nach Einschätzung des ADAC-Experten Carsten Graf keine Sorgen zu machen, dass nun die Ersatzteile knapp werden: „Ich bin sehr zuversichtlich, dass Daihatsu die Ersatzteilversorgung gelingen wird.“ Das Unternehmen hat seinen Kunden versprochen, dass das Servicenetz bestehen bleibt. Werkstätten können Teile also nach wie vor ordern. „Der Rückzug ging extrem organisiert über die Bühne und wurde sehr früh bekanntgegeben. Auch die Kooperation mit den Händlern war anscheinend positiv“, sagt Graf.

„Daihatsu selbst bleibt ja erhalten, Versorgungssicherheit ist insofern gegeben“, sagt Prof. Bratzel. „Man muss aber manchmal ein wenig mit zeitlichem Verzug rechnen.“ ADAC-Experte Graf gibt zu bedenken: „Mit dem Ersatzteilverkauf lässt sich viel Geld verdienen, unter Umständen mehr als mit dem Verkauf von Neuwagen.“ Auch das spreche für die dauerhafte Verfügbarkeit. Er sieht nur bei der Versorgung mit Blechteilen nach einigen Jahren mögliche Probleme.