Daihatsu zieht sich aus Europa zurück
- Gernot Goppelt
Die Toyota-Tochter Daihatsu zieht sich aus Europa zurück. Der Verkauf von Neuwagen werde zu Ende Januar 2013 eingestellt, gab das Unternehmen bekannt. Gründe seien der schwache Absatz und die sich verschlechternde Profitabilität, woran teils der zum Euro stark gestiegene Außenwert des Yen schuld sei. Daihatsu will sich nach eigenen Angaben fortan auf den heimischen Markt sowie auf Überseemärkte, wo das Unternehmen Produktionsstandorte hat, konzentrieren. Das sind unter anderem Indonesien und Malaysia. Ein weiterer Grund für die Entscheidung seien die hohen Kosten, die zur Erfüllung der strengen Abgasvorschriften anfallen. Daihatsu exportiert fertig gebaute Fahrzeuge nach Europa. Gegenwärtig vertreibt das Unternehmen seine Kleinwagen in rund zehn europäischen Ländern, darunter auch Deutschland.
Über drei Jahrzehnte prägte der Daihatsu Cuore das Bild der Marke in Deutschland.
(Bild: Daihatsu)
2009, als die meisten Anbieter von Kleinwagen dank Abwrackprämie ihren Absatz deutlich steigerten, ging Daihatsu leer aus. Daihatsu Deutschland begründete das damit, dass das aus Japan gelieferte Kontingent bereits im Vorjahr festgelegt worden war und die Stückzahlen nicht kurzfristig erhöht werden konnten. Schon damals beklagten manche Händler aber auch, dass besonders Kleinwagen wie der Cuore viel zu teuer sind. Die Konkurrenz bot immer mehr Billig-Kleinwagen an, sodass auch die durchaus anerkannte Daihatsu-Qualität nicht mehr zog.
Mitte 2010 teilte Daihatsu mit, die Modelle Materia und Copen aus dem Programm nehmen zu wollen – vom Materia waren 2009 ganze 799 Exemplare verkauft worden, vom Copen 129 Stück. Verkaufte Daihatsu 2007 europaweit insgesamt noch rund 59.000 Autos, sank der Absatz im vergangenen Jahr auf gerade noch 19.000. Die Händler wurden über den Schritt bereits informiert. Daihatsu will jedoch auch nach dem Verkaufsstopp weiter Teile und Service anbieten, wie das genau aussehen soll, ist offen.
Daihatsu hat sich in Deutschland vor allem mit dem Kleinstwagen Cuore einen Namen gemacht, der hierzulande erstmals 1981 angeboten wurde. In den 1980er-Jahren war der Cuore eine sehr preisgünstiges Auto, das sich zudem bald als recht robust erwies. Zudem gab es zunächst außer dem Suzuki Alto und dem Fiat Panda kaum Konkurrenz. Das qualitativ gute Image konnte die Marke lange aufrecht erhalten. Wohl auch, weil immer mehr Hersteller dazu übergingen, Billigautos aus Niedriglohnstandorten anzubieten, kam Daihatsu zunehmend unter Druck. Ein Preis von gut 10.000 Euro für einen Kleinstwagen war vielen Kunden nicht mehr zu vermitteln. (ggo)