Jeder Fünfte kehrt der Hochschule vorzeitig den Rücken
Bachelor-Studenten brechen besonders häufig ihr Studium ab, ergibt ein Projektbericht des Hochschulinformationssystems HIS.
Die Studienabbruchquote hat sich gegenüber einer vor zwei Jahren durchgeführten Untersuchung über alle Fächer hinweg um einen Punkt verringert und liegt jetzt bei 21 Prozent. Bezogen auf den Immatrikulationsjahrgang 2001, zu dem ein großer Teil der jüngst ausgeforschten deutschen Studienanfänger gehört, heißt das, dass von 260.000 Studierenden 55.000 ihre Ausbildung ohne Abschluss beendet haben.
Dies zeigt der Projektbericht 2008 des Hochschulinformationssystems HIS. Danach brechen an Universitäten von den Mathematikern 31 Prozent (gegenüber 23 Prozent in der vor zwei Jahren durchgeführten Untersuchung), von den Informatikern 32 (gegenüber 39 Prozent) und Elektrotechnikern mit konstant gebliebenen 33 Prozent ihr Studium ab.
Fachhochschulen liefern zum Teil günstigere Werte: In Mathematik und Naturwissenschaften fiel die Quote von 31 auf 26, in der Informatik von 29 auf 25 Prozent. In den Ingenieurswissenschaften stieg sie dagegen von 21 auf 26 Prozent. Elektrotechniker bilden hier mit 36 Prozent (gegenüber 32) die größte Gruppe.
Als Studienabbrecher definiert das HIS "ehemalige Studierende, die zwar durch Immatrikulation ein Erststudium an einer deutschen Hochschule aufgenommen, dann aber endgültig das Hochschulsystem ohne erstes Examen verlassen haben". Wer sich ohne Abschluss vorzeitig aus einem Zweit-, Aufbau- oder Ergänzungsstudium verabschiedet, gehört nicht dazu.
Dramatisch zeigt sich die Situation bei den neu eingeführten Bachelor-Studiengängen. Beinahe jeder dritte Student, der von 2000 bis 2004 an einer Hochschule ein solches Studium aufgenommen hat, kehrte ohne Examen vorzeitig dem Campus den Rücken. An Universitäten betraf dies 25, an Fachhochschulen 39 Prozent der Studienanfänger. Zur besseren Einordnung: 7 Prozent aller deutschen Hochschulabsolventen haben 2006 einen Bachelor-Abschluss erworben.
In einer Stellungnahme beklagt der Präsident des Deutschen Studentenwerks (DSW) Professor Rolf Dobischat, die zeitlich verdichteten Bachelor-Studiengänge und die hohen Präsenzzeiten erlaubten den Studierenden kaum noch Flexibilität. Zwei Drittel der Studierenden jobbten neben dem Studium, für 40 Prozent sei die Studienfinanzierung nicht gesichert. Mit Einführung des Bachelor-Studiums habe sich die Situation weiter verschärft. (fm)