Forscher untersuchen Probiotika

Lebende Mikroorganismen in Joghurts und anderen Lebensmitteln sollen gesund sein. Doch ihre genaue Wirkungsweise wurde bislang nur teilweise erforscht.

vorlesen Druckansicht 82 Kommentare lesen
Lesezeit: 2 Min.

Der Mensch nimmt schon seit Jahrhunderten gutartige Mikroorganismen auf, weil er glaubt, dass sie seine Gesundheit verbessern können - enthalten sind sie beispielsweise in Joghurts. Die Wirksamkeit dieser so genannten Probiotika wird allerdings erst seit kurzem verstärkt wissenschaftlich untersucht. Erste Ergebnisse sind positiv: Demnach helfen die von außen zugeführten Bakterien nicht nur den Millionen Mikroorganismen, die bereits in unserem Darm leben, sondern auch dem menschlichen Organismus an sich. Zu den Top-Forschern auf dem Gebiet der Probiotika gehört der Mikrobiologe Jeff Gordon von der Washington University im amerikanischen St. Louis.

Im Interview mit dem Technologiemagazin Technology Review erläuterte Gordon jetzt, dass die Zusammensetzung der Bakterien im Darm auch direkte Auswirkungen auf das Immunsystem haben könnte. "Es ist möglich, dass es eine kritische Phase in der Entwicklung gibt, bei der das individuelle Mikroorganismen-Profil einer Person bestimmt wird. Wir müssen darüber nachdenken, welche Kraft die Zusammensetzung dieser Gemeinschaft formt. Es könnte etwa ein dynamisches Zusammenspiel zwischen Mikroorganismen und Nahrung geben, das Langzeitauswirkungen auf den Wirt hat."

Eine der Hauptschwierigkeiten bei der Untersuchung von Probiotika liegt allerdings darin, dass sich die meisten im Darm befindlichen Mikroorganismen bislang noch nicht im Labor züchten lassen. Die so genannte Metagenomik, bei der das Genprofil der Bakterien im Darm über eine DNA-Analyse in ihrer Gesamtheit untersucht wird, könnte hier Abhilfe schaffen. Die medizinischen Auswirkungen der Probiotika-Forschung könnten profund sein - Gordon und andere Forscher denken darüber nach, Krankheiten, die ihren Ausgangspunkt bei den Darmbakterien haben, durch die Gabe neuer Mikroorganismen zu beeinflussen. Bis dahin bestehe aber noch Forschungsbedarf: "Wenn wir versuchen wollen, die Gemeinschaft, die wir in unserem Darm tragen, bewusst zu verändern, müssen wir sie erst einmal besser verstehen."

Mehr zum Thema in Technology Review online:

(bsc)