Messeausweis erfasst soziale Interaktionen

Forscher am MIT arbeiten an einem "Smart Badge", der den Austausch von Daten zwischen Kongressteilnehmern erleichtern soll.

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In der Welt der Wirtschaft und der Wissenschaft sind Konferenzen und Networking-Veranstaltungen ein Muss. Doch nicht jeder tauscht souverän eine Visitenkarte nach der anderen aus – so mancher Besucher bleibt lieber bei seinen Firmenkollegen stehen, anstatt den Rückzugsraum des persönlichen Zirkels zu verlassen. Forscher am MIT Media Lab haben nun einen mit Sensoren ausgestatteten Ausweis für Messen und Kongresse entwickelt, der Profikommunikatoren wie Schüchternen helfen soll, neue Verbindungen zu knüpfen. Gleichzeitig kann das System lernen, wie die Interaktionen der Menschen auf solchen Veranstaltungen wirklich ablaufen und sie in Form eines sozialen Netzwerkes darstellen, berichtet das Technologiemagazin Technology Review in seiner Online-Ausgabe.

MIT-Forscher Ben Waber gab die "digitale Hundemarke" an 70 Teilnehmer einer Eigenveranstaltung des Media Lab aus. Die Technik setzt – anders als bei den Namensschildern auf einer IBM-Konferenz – auf eingebaute Infrarot-Sensoren, die Daten bei Treffen von Mensch zu Mensch austauschen können, enthalten ist aber auch ein Funksender, um Entfernungsdaten zu ermitteln. Ergänzt wird der Ausweis durch einen Bewegungssensor und ein Mikrofon, das Sprachmuster erfassen kann. Beim Feldversuch wurde die aufgezeichneten Informationen dann in Echtzeit an einen Zentralrechner übertragen und aufbereitet, so dass eine Live-Visualisierung des "sozialen Graphen" der Veranstaltung entstand – eine Darstellung des Beziehungsnetzwerkes unter den Teilnehmern.

Die im MIT-Experiment eingesetzten digitalen Ausweise sind leicht und nicht größer als ein Kartenspiel. Allerdings hätten die Forscher auch einfach entsprechend erweiterte Mobiltelefone verwenden können. "Wir denken, dass eines Tages jeder einen solchen intelligenten Ausweis mit sich herumträgt – in Form seines Handys", meint Alex Kass, Forscher bei der Technologieberatung Accenture. "Mobiltelefone werden Daten zur Identifikation und andere interessante Informationen an die Menschen um uns herum übertragen." Man werde aber trotzdem selbst festlegen können, was man der Außenwelt über sich mitteilen möchte, glaubt er.

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(bsc)