Cloud-Projekt teurer als geplant: ITK-Group rutscht in die Insolvenz

Die ITK-Group in Berlin hat Insolvenz angemeldet. Die Situation sei alternativlos gewesen, sagt Geschäftsführer Dirk Walla.

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Von
  • Wolfgang KĂĽhn

Der ITK-Group in Berlin sind die Kosten für die selbst entwickelte Cloud-Lösung "ITK Voice Solution" davon gelaufen. "Wir hatten etwa 750.000 Euro dafür eingeplant. Am Ende wurde das Projekt um rund 1,5 Millionen Euro teurer." Außerdem, so Dirk Walla, Geschäftsführer der ITK-Group, sei man mit der Cloud-Lösung etwa ein Jahr zu spät gestartet. Der spätere Einstieg und die deutlich zu hohen Kosten haben den TK-Lösungsanbieter in Schieflage gebracht.

So sehr, dass am 30. Januar 2013 das Insolvenzverfahren am zuständigen Amtsgericht Berlin-Charlottenburg (Aktenzeichen 36i IN 298/13) beantragt werden musste. "Die Situation war alternativlos. Wir hatten am 24. Januar einen Antrag auf Eigenverwaltung gestellt", führt Walla im Gespräch mit heise resale aus. Doch in Absprache mit Rechtsanwalt und Insolvenzverwalter Thomas Kühn von der Berliner Kanzlei Brinkmann & Partner, habe man sich aus Zeitgründen für den Insolvenzantrag entschieden. "Der gibt uns jetzt die Möglichkeit, bis 1. April eine tragfähige Lösung zu finden." Walla versteht darunter den Einstieg eines Investors. "Die Chancen stehen nicht schlecht, erste mögliche Investoren haben schon Interesse bekundet." Ebenso hätten sich einige Mitgliedsfirmen der Gruppe, die an über 300 Standorten präsent ist, bereit erklärt, finanziell in die Bresche zu springen. Deshalb sei Walla optimistisch, das Unternehmen bald wieder in ruhigere Gewässer fahren zu können.

Trotz vieler Nutzer der Cloud-Lösung in Schieflage geraten: ITK-Group musste Insolvenzantrag stellen

(Bild: ITK-Group)

Immerhin sei die Vermarktung der eigenen Cloud-Lösung gut angelaufen. Walla, der zusammen mit Björn Stange die Geschäfte der Gruppe leitet, spricht von knapp 10.000 Usern und 600 Unternehmen, die bereits in der Cloud seien. "Das Geschäftsmodell trägt sich", betont er zu der Cloud-Kommunikationslösung der 'ITK Voice Solution', die seit Mitte vergangenen Jahres 330 Systemhäusern zur Vermarktung angeboten worden ist. Dahinter steht das Partnerprogramm "Go Excellent". Mit einem Werbekostenzuschuss von 3300 Euro konnten die Partner "sofort erfolgreich Voice, Unified Communications, Call-Center-Dienste sowie Video aus der Cloud vermarkten". Dabei bleiben die Kunden beim jeweiligen Systemhaus. "Das, gepaart mit sehr hohen Einmalprovisionen sowie einer lifetime airtime, unterscheidet uns momentan von allen anderen Cloud-Anbietern", pries Walla bereits im August vergangenen Jahres die Initiative an.

Jetzt sind der ITK-Group aber die Kosten aus dem Ruder gelaufen. Laut Walla handle es sich um einen "mittleren sechsstelligen Betrag". Selbst wenn kein Investor gefunden werden könne, sei es für ihn nicht vorstellbar, dass "wir schließen". Allein die Anzahl der User in der Cloud würden derzeit bereits ein nahezu rentables Geschäftsergebnis sicherstellen. Deshalb halte er – wenn alle Stricke reißen – durchaus ein Management-Buyout für denkbar. Die Bereitschaft im Unternehmen sei jedenfalls vorhanden. Auftrieb habe ihm auch die Reaktion der Mitglieder und Kunden auf die Nachricht über den Insolvenzantrag gegeben. "Da gab es überhaupt keine Häme. Im Gegenteil. Von vielen Seiten erhielten wir Unterstützung für einen Rettungsschirm."

[Update]

Wie der vorläufige Insolvenzverwalter Thomas Kühn, Rechtsanwalt bei der Berliner Kanzlei Brinkmann & Partner, inzwischen gegenüber heise resale bestätigte, stünden die Chancen für die ITK-Group, das Insolvenzverfahren erfolgreich zu durchlaufen, gut. "Ich bin zuversichtlich, dass das Unternehmen langfristig eine Perspektive hat", erklärte Kühn. Trotz des vorläufigen Insolvenzantrags sehen sowohl Walla wie auch Kühn "aktuell keine Gefahr für die bestehenden Arbeitsplätze". Sämtliche Mitarbeiter seien noch an Bord. (map)