Energiewende mal anders

Fracking ist schlimm, weil es die Umwelt zerstört, sagen Umweltschützer. Deswegen wird es in Deutschland verboten. Oder vielleicht doch nicht?

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Fracking ist schlimm, weil es die Umwelt zerstört, sagen Umweltschützer. Deswegen wird es in Deutschland verboten. Oder vielleicht doch nicht?

Als wir vor zwei Jahren zum ersten mal ĂĽber Schiefergas berichteten, war das in der deutschen Ă–ffentlichkeit noch ein exotisches Randthema. Wir brachten die Geschichte trotzdem auf die Titelseite, weil uns bereits zu diesem Zeitpunkt klar war, dass der Gasboom in den USA massive Auswirkungen auf die weltweite Energieversorgung haben wĂĽrde. Und damit auch auf die deutsche Energiewende.

Mittlerweile redet alle Welt über die Umweltschäden, die durch Fracking ausgelöst werden könnten. Zumindest hier in Europa. Im Gegensatz zu den USA will kein rechter Gas-Goldrausch aufkommen, obwohl es auch hier wahrscheinlich nennenswerte Vorkommen an nichtkonventionellem Gas gibt. Denn der alte Kontinent ist nicht nur viel dichter besiedelt. Das Umweltbewusstsein ist hier auch viel stärker ausgeprägt. Besonders in Deutschland.

Ich war deswegen nicht schlecht erstaunt, als ich in der taz vom Montag, den 18.2. einen Kommentar gelesen habe, der eine verblüffende Kehrtwende nahelegt. Die Zeitung, die als Zentralorgan der Grünen gilt, lobt nämlich Umweltminister Altmaier (CDU) dafür, dass er Fracking in Deutschland nicht generell verbieten will. Vielmehr soll es bei jeder Gasbohrung eine Umweltverträglichkeitsprüfung geben.

Das ist gut, argumentiert der Kollege Ingo Arzt von der taz. Denn wir brauchen Gas, weil schnell regulierbare Gaskraftwerke eine ideale Ergänzung zu erneuerbaren Energien darstellen. Auch diese Argumentation ist (siehe TR 1/2012) nicht neu, aber aus dieser Ecke verblüffend pragmatisch. Und wenn man schon Gas verbrennt, sollte man doch sicherstellen, dass es wenigstens sauber gefördert wird. Sozusagen mit Fair-Trade-Siegel.

Angesichts dieser Argumentation kriegt das Wort Energie“wende“ doch gleich eine völlig neue Bedeutung. Mal sehen, vielleicht deutet sich da ein Kurswechsel im grünen Lager an. Ich bin jedenfalls mal echt gespannt, was da bis zur Bundestagswahl noch kommt.

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