Kritik am Einsatz teurer Medizintechnik

Experten bezweifeln, dass teure bildgebende Verfahren der Medizin nur dort eingesetzt werden, wo sie wirklich notwendig wären.

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Experten bezweifeln, dass teure bildgebende Verfahren der Medizin nur dort eingesetzt werden, wo sie wirklich notwendig wären. Das berichtet Techology Review im fünften Teil seiner Serie zur Zukunft der Medizin (TR 10/07 seit dem 27. 9. am Kiosk oder online portokostenfrei zu bestellen).

"Die Frage, ob es sich lohnt, ist nie ernsthaft gestellt worden", kritisiert beispielsweise Jürgen Windeler, Bereichsleier für Evidenz-basierte Medizin beim Medizinischen Dienst der Spitzenverbände der Krankenkassen (MDS) – und das, obwohl die Computertomografie seit dreißig Jahren und die Magnetresonanztomografie seit zwanzig Jahren im Einsatz sind. PubMed, die weltweit größte Sammlung medizinischer Fachartikel, listet zwar rund 2000 Beiträge zum Thema "Kosteneffektivität der bildgebenden Verfahren" auf. Doch kaum eine der Studien ist jünger als drei Jahre, und die meisten beschäftigen sich nur mit Spezialfällen.

Matthias Perleth, Leiter der Abteilung Fachberatung Medizin beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) von Ärzten, Krankenhäusern und Krankenkassen, sieht in Deutschland schon heute eine "ziemliche Geräteüberversorgung". Der G-BA entscheidet, für welche Maßnahmen die Krankenkassen die Kosten übernehmen und für welche nicht. Die offizielle Richtschnur dafür sind medizinischer Nutzen und Wirtschaftlichkeit. In der Praxis aber machen höchst menschliche Eigenschaften eine objektive Beurteilung schwierig: "Radiologen sind Augenmenschen", sagt Perleth, und MDS-Kollege Windeler bestätigt: "Die Faszination der Bilder ist ein ganz großes Problem." (wst)