West/Ost-Gefälle bei IT-Gehältern

Einer Studie zufolge verdienen IT-Fachleute derzeit bei westdeutschen Firmen rund 25 Prozent mehr als bei Arbeitgebern in den neuen Bundesländern.

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Fachleute für Computer und Netzwerke werden bei Unternehmen, die in den alten Bundesländern ansässig sind, derzeit immer noch deutlich höher bezahlt als bei Arbeitgebern in den neuen. Das besagt die Studie "Vergütung in der Informationstechnologie 2009" der Gummersbacher Unternehmensberatungsfirma Kienbaum, die Informationen von 332 Unternehmen in Deutschland ausgewertet hat.

Danach verdienen Branchenvertreter in Düsseldorf am meisten – ihre Gehälter liegen knapp ein Viertel über dem Bundesdurchschnitt. Auf Platz zwei liegt Dortmund mit elf, gefolgt von Frankfurt am Main mit neun Prozent Plus, ebenfalls bezogen auf den Durchschnittsverdienst in Deutschland. Das Schlusslicht bilden ostdeutsche Kleinstädte: Hier bewegt man sich um 25 Prozent unter dem deutschen Durchschnittslevel. Dresden unterschreitet die Durchschnittsmarke um 18 Prozent. Im Schnitt erreichen die Bezüge der Computer- und Netzwerkspezialisten in Ostdeutschland nur 80 Prozent der in der Branche deutschlandweit gezahlten Gehälter.

Schaut man sich die Verteilung in Westdeutschland genauer an, fällt auf, dass große Städte und Ballungsräume ein höheres Vergütungsniveau aufweisen als ländliche Gebiete. Bei Kienbaum sieht man die Ursache in der größeren Konkurrenz um die besten Mitarbeiter in den Städten. Allerdings bleibt zu fragen, warum die durchschnittlichen Lebenshaltungskosten an den verschiedenen Unternehmensstandorten bei der Bewertung der Einkommensstruktur dabei nicht berücksichtigt werden. Wenn man etwa Düsseldorf und eine ostdeutsche Kleinstadt als Extrempunkte der Gehälterskala nur im Hinblick auf Mietpreise miteinander vergleicht, zeigen sich erhebliche Unterschiede. Dasselbe gilt für andere relevante Kosten, die (nicht nur) für IT-Leute anfallen, etwa im Hinblick auf die Gastronomie. Bei der Bewertung von Gehältern erscheint es sinnvoll, auch danach zu fragen, was ein Arbeitnehmer sich jeweils ortsbezogen von seinem Einkommen leisten kann.

Ein weiteres Ergebnis der Studie betrifft die Rolle von Frauen in der IT-Branche. Hier ist der Anteil weiblicher Führungskräfte in den Chefetagen entgegen der branchenübergreifenden gefühlten Entwicklung seit 2007 deutlich zurückgegangen: von 7,4 auf 5,4 Prozent. In den vergangenen zehn Jahren ist der Frauenanteil bei den IT-Entscheidern stets größer gewesen. Unterhalb der Chefetagen ist die Branche offenbar nicht so extrem männerdominiert: Hier hat der Anteil der weiblichen Mitarbeiter in den vergangenen Jahren zwischen 16 und 18 Prozent gependelt. Zwischen IT-Männern und -Frauen erkennt die Studie einen nach wie vor deutlichen, wenn auch nachlassenden Unterschied bei den Vergütungen: Unabhängig vom West/Ost-Gefälle verdienen IT-Mitarbeiterinnen jetzt im Durchschnitt rund neun Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Im vergangenen Jahr lag dieser Wert noch bei elf Prozent. (psz)