Wirtschaftsinstitut fordert Mindeststandards für Migration

Wenn Einwanderer zumindest das durchschnittliche Qualifikationsniveau der einheimischen Bevölkerung aufwiesen, könnte dem Institut der deutschen Wirtschaft zufolge mit einem wesentlich höheren Bruttoinlandsprodukt gerechnet werden.

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Von
  • Frank Möcke

Mehr qualifizierte Ausländer sollen dazu bewogen werden, sich in Deutschland niederzulassen. Derzeit liegt der Anteil der Hochqualifizierten an den im Ausland geborenen Bundesbürgern nur bei 18,9 Prozent. In Kanada dagegen waren zuletzt mehr als 46 Prozent der Einwanderer sehr gut ausgebildet. Daher schlägt das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) vor, die Zuwanderung mit einem Punktesystem nach kanadischem Muster zu steuern. Danach müssten Bewerber zunächst Mindeststandards zum Beispiel in Sachen Gesundheit erfüllen. Darüber hinaus müsse stärker geprüft werden, welche Qualifikation die Einwanderer mitbringen.

Gelänge es, mit diesem System unterm Strich jährlich 100.000 Personen mehr als jetzt nach Deutschland zu locken und wiesen diese Einwanderer zumindest das durchschnittliche Qualifikationsniveau der einheimischen Bevölkerung auf, so könnte dem IW zufolge in zehn Jahren ein um 34 Milliarden Euro höheres Bruttoinlandsprodukt erreicht werden. In 20 Jahren betrüge das Plus mehr als 100 Milliarden Euro.

Prof. Dr. Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, beklagte in diesem Zusammenhang, dass sich das hierzulande geringe Bildungsniveau der Eingewanderten langfristig nachteilig auf die Wachstumsdynamik auswirke. Etwa jeder zweite 15-Jährige aus der zweiten Einwanderergeneration in Deutschland sei bildungsarm. Neben der Zuwanderungspolitik sollte daher auch die Integrationspolitik reformiert werden.

Um die Bildungsarmut zu verringern, seien viele Instrumente geeignet. Allein durch den Besuch einer Betreuungseinrichtung für Unter-3-Jährige könne die Wahrscheinlichkeit eines späteren Gymnasiumbesuchs bei Migranten um fast 56 Prozent steigen. (fm)