Gentherapie gegen Alkoholsucht

Chilenische Wissenschaftler trieben trunksĂĽchtigen Versuchstieren die Lust auf Hochprozentiges aus.

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Wissenschaftlern in Chile ist es gelungen, dem Alkohol zugeneigte Versuchstiere mit Hilfe einer Gentherapie zumindest für einen begrenzten Zeitraum zu heilen. Wie das Technologiemagazin Technology Review in seiner Online-Ausgabe berichtet, orientierte sich die Behandlung dabei an einer menschlichen Mutation im Erbgut, die in Asien recht häufig vorkommt und die Toleranz des Trägers für Wein, Bier, Schnaps und andere hochprozentige Getränke deutlich reduziert. Laut den US-Nationalinstituten für Gesundheit leben allein in Amerika 17,6 Millionen Menschen, die regelmäßig Alkoholmissbrauch betreiben oder gänzlich alkoholsüchtig sind. Sollte die Gentherapie, die Yedy Israel, Professor für pharmakologische und toxikologische Chemie an der Universität von Chile, getestet hat, auch beim Menschen funktionieren, könnte sie zu einer wichtigen neuen Behandlungsform im Kampf gegen die Trunksucht werden – neben bereits verfügbaren Medikamenten und der Verhaltenstherapie.

Der neue Experimentalsansatz beschneidet die Aktivität eines Leberenzyms, der Aldehyd-Dehydrogenase, die eine wichtige Rolle bei der Umwandlung von Alkohol im Körper spielt. Nahezu ein Drittel aller Menschen in Fernost besitzen eine natürliche genetische Veränderung, die den gleichen Effekt hat. Trinken sie Alkohol, röten sich unter anderem ihre Gesichter, der Herzschlag erhöht sich und sie fühlen sich schnell krank – eine gute Motivation, die Flasche früh wieder abzusetzen. Noch ist unklar, ob Israels Idee, die auf ein Einschleusen der Genveränderung mittels Viren setzt, auch beim Menschen funktioniert – und vor allem, wie ungefährlich sie tatsächlich wäre. Medikamente, die eine ähnliche Wirkung haben, existieren bereits; sie müssen aber täglich eingenommen werden, während eine Gentherapie deutlich länger vorhalten würde. Hinzu kommt, dass solche "Abstinenzerzwinger" von Betroffenen nur ungern eingenommen werden. Der Grund: Der äußerst unangenehme Effekt tritt bereits ein, wenn nur ein Tropfen Alkohol in den Körper gelangt – etwa mit dem Rasierwasser.

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(bsc)