Aus die Maus

Der Energiekonzern Eon will bis zum Monatsende eines der modernsten Gaskraftwerke der Welt abschalten. Mit Politik hat das gar nichts zu tun. Oder doch? Ein Hundsfott, wer böses dabei denkt.

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Der Energiekonzern Eon will bis zum Monatsende eines der modernsten Gaskraftwerke der Welt abschalten. Mit Politik hat das gar nichts zu tun. Oder doch? Ein Hundsfott, wer böses dabei denkt.

Zur Einordnung: Block 5 des Gaskraftwerks Irsching (Leistung 860 Megawatt) ist knapp zwei Jahre alt und gilt als eines der modernsten Gaskraftwerke der Welt. Sein Wirkungsgrad beträgt etwa 59 Prozent. Die hocheffizienten Gasturbinen sollten als Pilotprojekt für weitere Kraftwerke dienen, die nach und nach stillzulegende Atomkraftwerke ersetzen könnten.

Der anhaltend hohe Anteil erneuerbare Energie drückt den Strompreis an der Strombörse mittlerweile so stark, dass Irsching Verlust macht, obwohl es so hocheffizient ist. Die deutsche Ausgabe des Wall Street Journal nannte das bereits im Dezember 2012 den Irrsinn der Energiewende.

Eigentlich ist doch damit alles klar, oder? Das Ding macht Verlust, also muss man es abschalten. Warum ist das fĂĽr mich ein Thema? Weil ich vermute, dass die Eon-Chefetage Irsching nicht ohne Grund fĂĽr die Stilllegung ausgesucht hat.

Sicher, Irsching steht nicht auf der Liste „systemrelevanter Kraftwerke“, die die Bundesnetzagentur aufgestellt hat. Aber die Geschichte hat Symbolcharakter. Seht her, sagt sie, liebe Politiker, die Bedingungen sind so schlecht, dass es sich für uns nicht mehr lohnt, Strom zu produzieren. Und wenn wir schon so ein modernes Kraftwerk wie Irsching abschalten müssen, dann betrifft das sicherlich schon bald auch andere Kraftwerke. Wir brauchen Subventionen, sonst ziehen wir uns aus dem Geschäft zurück. Und dann gehen in Deutschland die Lichter aus.

NatĂĽrlich hat das keiner so gesagt. Aber man muss auch nicht immer alles aussprechen, damit es verstanden wird.

Nun könnte man sagen: na und? Das ist das gute Recht des Unternehmens. Die machen das schließlich, um Geld zu verdienen. Ich dagegen meine, hier soll politischer Druck aufgebaut werden, um an die fetten Subventionstöpfe zu kommen. Man könnte das auch Erpressung nennen. Wenn Erpressung nicht so ein hässliches Wort wäre.

Ich denke, dass ein Energieversorger nicht einfach ein ganz normales Unternehmen ist wie ein Autobauer, oder eine Fabrik, die Kochtöpfe herstellt. Energie gehört zur Grundsicherung. Wenn die Gesellschaft das Geschäft mit der Grundsicherung privaten Unternehmen anvertraut, dann müssen die besonders vertrauenswürdig sein. Und im Zweifelsfall muss so ein Unternehmen die Versorgungssicherheit der Gewinnmaximierung vorziehen. Dazu kommt ja, dass Eon insgesamt noch immer gut genug verdient. Der „bereinigte Konzernüberschuss“ des Unternehmens wird in diesem Jahr voraussichtlich auf 2,2 Milliarden Euro zurückgehen. 2012 lag er noch bei von 4,1 Milliarden Euro, berichtet die FAZ.

Ist die - angedrohte - Stilllegung also legitim oder nicht? Tatsächlich hatten wir in der Redaktion eine sehr lebhafte Diskussion über diese Frage. Was meinen Sie?

(wst)