Virgin Galactic will Touristen auch von Schweden aus ins All schicken

Richard Branson hat der Öffentlichkeit in New York das neue Raumschiff SpaceShipTwo präsentiert, mit dem zahlungskräftige Kunden künftig Ausflüge ins All unternehmen sollen. Als Abflugort ist auch Schweden im Gespräch.

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Von
  • Peter-Michael Ziegler

In einer Höhe von 16.000 Metern klinkt sich das Raummodul aus und beschleunigt mit Raketenantrieb Richtung Weltall.

Der britische Milliardär Sir Richard Branson hat am gestrigen Abend in New York zahlreiche Neuigkeiten rund um sein privates Raumflugunternehmen Virgin Galactic bekannt gegeben. Im American Museum of Natural History wurden der Öffentlichkeit dabei erstmals Modelle des neuen SpaceShipTwo-Raumschiffs (SS2) sowie des neuen WhiteKnightTwo-Trägerflugzeugs (WK2) präsentiert. Konstruiert und gebaut werden die Fluggeräte von Scaled Composites, einer Firma des Luft- und Raumfahrtingenieurs Burt Rutan, der bereits für die Vorgängermodelle "SpaceShipOne" und "White Knight" verantwortlich zeichnete und damit im Jahr 2004 den mit zehn Millionen US-Dollar dotierten Ansari X-Prize gewonnen hatte. Aufgabe des Wettbewerbs waren zwei erfolgreiche Raumflüge in eine Höhe von 100 Kilometer mit einem zu mindestens 90 Prozent wiederverwendbaren Raumschiff innerhalb von zwei Wochen.

Rund 60 Prozent des SpaceShipTwo sind nach Angaben von Scaled Composites bereits fertig entwickelt.

Bransons Angaben zufolge ist das mit vier Triebwerken ausgestattete neue WK2-Trägerflugzeug bereits so gut wie fertiggestellt und soll in diesem Sommer die ersten Testflüge absolvieren. Die Konstruktion des Raummoduls SS2, in dem sechs Passagiere und zwei Piloten Platz finden sollen, sei zu 60 Prozent abgeschlossen, sagte Branson. Das Konzept von Virgin Galactic sieht vor, dass zahlungskräftige Weltraumtouristen – das Ticket ins All kostet bei Branson 200.000 US-Dollar – zunächst vom Trägerflugzeug in eine Höhe von etwa 16.000 Meter befördert werden. Dort klinkt sich der Raumgleiter dann aus und wird per Raketenantrieb ins All geschossen. Nach einigen Minuten in der Schwerelosigkeit geht es dann aus einer Höhe von 110 Kilometern in Segelflug-Manier zurück zur Landebahn des Spaceport America in Las Cruces (US-Bundesstaat New Mexico), der ebenfalls gerade neu gebaut wird.

Den Innenraum des SpaceShipTwo legte Burt Rutan fĂĽr sechs Passagiere und zwei Piloten aus.

Damit die Passagiere den rund zweieinhalbstündigen Trip in die Schwerelosigkeit unbeschadet überstehen, müssen sie sich zunächst einem mehrtägigen Training im National AeroSpace Training and Research Center (NASTAR) in Philadelphia (Pennsylvania) unterziehen. Etwa 80 der mehr als 200 künftigen Privatastronauten der "ersten Generation", die mindestens 20.000 US-Dollar als Einlage bei Virgin Galactic deponiert haben und auf einen Flug im Jahr 2009 hoffen, hätten medizinische Prüfungen und das Zentrifugen-Training im NASTAR bereits absolviert, heißt es bei Virgin. Insgesamt hätten sich bislang 85.000 Raumflug-Interessenten bei Virgin Galactic registriert. Die deponierten Einlagen sollen inzwischen die 30-Millionen-Dollar-Grenze überschritten haben und damit zwei Drittel der im Businessplan vorgesehenen 45 Millionen US-Dollar für die Startphase decken.

Erweist sich die Konstruktion des neuen Tandems aus Raummodul und Trägerflugzeug als zuverlässig, will Scaled Composites eine Fertigungslinie aufbauen, die in den kommenden zwölf Jahren bis zu fünfzig Einheiten produzieren kann. Um später eine maximale Auslastung der Maschinen zu erzielen, ist das Trägerflugzeug so konstruiert, dass statt des etwa 18 Meter langen SpaceShipTwo auch unbemannte Nutzlasten wie kleine Satelliten geladen und ins All befördert werden können. Betrieben werden sollen die Turbinen der vier Trägerflugzeug-Triebwerke vom Typ "Pratt and Whitney PW308A" nach Möglichkeit mit Biotreibstoff. Branson hatte in der vergangenen Woche angekündigt, im Februar erstmals eine kommerzielle Verkehrsmaschine vom Typ Boeing 747-400 statt mit Kerosin mit Biosprit betanken und von London nach Amsterdam fliegen zu lassen.

Beim RĂĽckflug segelt das Raummodul mit ausgeklappten FlĂĽgeln zur Erde.

Gegenüber herkömmlichen Raketenstarts wäre das Virgin-Galactic-Konzept sicherlich "umweltfreundlicher" – das Luxusvergnügen, einmal Schwerelosigkeit einhundert Kilometer über der Erde zu erleben, sorgt aber dennoch für enorme Umweltbelastungen. Denn damit das SpaceShipTwo-Raumschiff die restlichen 94 Kilometer Richtung Weltraum fliegen kann, bedarf es eines konventionellen Raketenmotors, der Schub über chemische Verbrennungsprozesse entwickelt. Biotreibstoff lässt sich dabei kaum nutzen. Außer Las Cruces will Virgin Galactic künftig auch andere Abflugorte weltweit anbieten. In Europa soll Schweden in der engeren Wahl stehen. Nahe der nordschwedischen Stadt Kiruna betreibt die Swedish Space Corporation (SSC) das Esrange Space Center, einen Raketenstartplatz mit Kontrollzentrum, der zum "Spaceport Sweden" ausgebaut werden soll. (pmz)