Sun macht SGI bei 3D-Grafik Konkurrenz
Sun will mit einer leistungsstarken 3D-Grafikkarte in die Domäne von SGI eindringen und sich Marktanteile im Bereich der 3D-Visualisierung sichern.
Sun will mit einer leistungsstarken 3D-Grafikkarte in die Domäne von SGI eindringen und sich Marktanteile im schnell wachsenden Bereich der 3D-Visualisierung sichern. Die Expert3D ist ein Grafik-Subsystem mit hoher 3D-Leistung zur Visualisierung von großen Datensätzen, wie sie etwa in der Erdöl-Exploration und in der Wissenschaft anfallen. Weitere Einsatzfelder sind die fotorealistischen Darstellung von CAD/CAM-Modellen, VR-Anwendungen und 3D-Animation.
Das Board ist in den Desktop-Stationen Ultra 60 und Ultra 80 unter Solaris einsetzbar und soll mit 6 Millionen Dreiecken pro Sekunde etwa den zweifachen Polygon-Durchsatz der Octane/MXE von SGI erzielen. Gegenüber vergleichbarer 3D-Hardware von Hewlett-Packard soll das Sun-Board eine um 50 Prozent höhere Leistung bieten. Möglich wird dies durch eine Geometrie-Engine mit 3,2 GFLOPS, die über einen eigenen, 8 MByte großen Cache für 3D-Daten verfügt. Die Berechnung der Pixel übernimmt ein Rasterizer-Chip mit 64 MByte Framebuffer. Für Texturen gibt es einen weiteren Buffer von ebenfalls 64 MByte, was Darstellungen mit realistisch getalteten Oberflächenzeichnungen ermöglicht. Die Füllrate liegt bei 143 Millionen trilinear gefilterten Pixel pro Sekunde. Der maximale Pixeltakt von 350 MHz lässt Auflösungen bis 1920 x 1200 Bildpunkten mit 75 Hz Bildwiederholrate zu. Im Stereomodus sind maximal 1280 x 1024 Bildpunkte möglich, wobei für jedes Auge 56 Hz Bildwiederholrate zur Verfügung stehen. Eine weitere Besonderheit ist der Parallelbetrieb von zwei Expert3D-Karten, in dem sich 3D-Ansichten auch auf zwei Monitore ausdehnen lassen, um komplexe Szenen zu betrachten.
Die Expert3D ist als Option für die Sun-Desktop-Stationen erhältlich; Sun gibt für die Karte als Aufrüstkomponente einen Preis von 3495 US-Dollar an. In zukünftigen 3D-Karten will Sun auch den MAJC-Chip (Microprocessor Architecture for Java Computing) einsetzen – einen programmierbaren Gleitkomma-Prozessor, den Sun für Multimedia-Anwendungen, etwa als MPEG- und Video-Codec konzipiert hat. Die Unix- und Server-Spezialisten aus Palo Alto möchten aber die MAJC-Serie, deren technische Details bereits im Oktober letzten Jahres verkündet wurden, nicht auf 3D-Grafikadapter beschränkt wissen. So könnten die Chips laut Sun etwa in Web-Servern eingesetzt werden, um dem Web zu etwas multimedialerem Gewand zu verhelfen; außerdem würden sie E-Commerce-Anwendungen verbessern, indem die Verschlüsselung mit SSL beschleunigt wird. Und schließlich hofft Sun, durch Kooperationen mit Netzwerkherstellern über die MAJC-Chips vom boomenden Markt der Netzwerkprozessoren profitieren zu können. (Manfred Bertuch) (jk)