Das Märchen vom Atommülllager

Die Suche nach einem Standort für das Atomklo der Nation ist wieder einmal vertagt worden. Das ist nicht schlimm. Man muss die Nachricht nur richtig verpacken.

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Die Suche nach dem Standort für das Atomklo der Nation ist wieder einmal vertagt worden. Und alle sind zufrieden.

Vergangene Woche habe ich ein Seminar über „Storytelling “ besucht. Das ist die Kunst, abstrakte Themen und komplexe Sachverhalte in spannende Geschichten zu verpacken. Man kann das benutzen, um journalistische Texte eingängiger zu machen. Oder um seine PR-Botschaften besser unters Volk zu bringen.

Wer also denkt, dass Politiker ihm manchmal Märchen erzählen, liegt völlig richtig. Im wahrsten Sinne des Wortes. Nehmen wir die Suche nach einem Standort für ein atomares Endlager. Blödes Thema. Alles so negativ. Aber man kann es prima verpacken. So etwa: Als Märchen vom finsteren, bösen Drachen Atomkraft. Gierige Hexenmeister hatten diesen Drachen in fernen Zeiten an die Kette gelegt, um sein Feuer zu nutzen.

„Wehe“, sprachen damals die Freunde von Wäldern und Feldern, weise Menschen, die Körner essen und ihren Müll trennen. „Der Drache wird sich losreißen, und ganze Landstriche verbrennen“. Lange schwelte der Streit, viele Schlachten wurden geschlagen, bis die gierigen Hexenmeister klein beigeben mussten. Der Drache sollte eingeschläfert werden. Doch wie groß war der Schrecken, als man herausfand, dass er in Gefangenschaft Eier gelegt hatte.

„Die müssen sicher verwahrt werden“, sprachen die Weisen. „Über Generationen hinweg gehütet. Wer will diese schwere Last tragen?“ Aber niemand wollte. Da beschlossen alle, 24 weise Männer und Frauen zu suchen. Geführt vom großen Klaus Töpfer, einem, der schon in jungen Jahren furchtlos den giftigen Rhein durchschwommen hat und nicht müde geworden ist, gegen den Klimawandel zu kämpfen, sollten die das Rätsel lösen.

Und wenn sie nicht gestorben sind … beraten sie in zehn Jahren immer noch.

Noch jemand wach? Nein? Dann ist ja alles gut.

(wst)