Branche kritisiert Entwurf des Wärmegesetzes

Das von der Bundesregierung vorgeschlagene Wärmegesetz wird voraussichtlich keine Verpflichtung zur energetischen Altbau-Sanierung enthalten. Die Erneuerbare-Energien-Branche kritisiert diese Pläne, berichtet Technology Review in seiner aktuellen Ausgabe.

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Das von der Bundesregierung vorgeschlagene Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz wird voraussichtlich keine Verpflichtung zur energetischen Altbau-Sanierung enthalten. Die Erneuerbare-Energien-Branche zeigt sich von diesem Plan naturgemäß mäßig begeistert, berichtet Technology Review im Rahmen eines 16-seitigen Schwerpunktes zum Thema "Das grüne Haus" (Ausgabe 2/08 seit dem 24. 1. am Kiosk oder portokostenfrei online zu bestellen). "Wenn bei der Renovierung im Bestand eine Verpflichtung des Nutzers zur Nutzung erneuerbarer Wärmequellen unterbleibt, setzt die Bundesregierung ihre Klimaziele aufs Spiel", sagt etwa Martin Bentele, Geschäftsführer des Deutschen Energie-Pellet-Verbands. Auch Carsten Körnig, Geschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft, kritisiert, das Bundesgesetz werde so keine "Lenkungswirkung" entfalten.

Die Bundesregierung hatte den Entwurf des Gesetzes im vergangenen Dezember in aller Eile auf den Weg gebracht. Es schreibt privaten und gewerblichen Bauherren vor, künftig den "überwiegenden" Teil ihres Wärmebedarfs durch Biomasse, Fernwärme, Blockheizkraftwerke oder Wärmepumpen zu decken, oder sich pro Quadratmeter Wohnfläche mindestes 0,04 Quadratmeter an Solarkollektoren auf das Dach zu schrauben. Alternativ dazu werden auch Dämmungen akzeptiert, die dann aber 15 Prozent wirksamer sein müssen als der Mindeststandard der Energieeinsparverordnung (EnEV).

Doch entgegen ersten Überlegungen und anders als beim Wärmegesetz-Vorreiter Baden-Württemberg (siehe TR 12/07) ist im Bundesgesetz für Altbauten keinerlei Verpflichtung zu Öko-Wärme vorgesehen. Allerdings steht es den Bundesländern in dieser Hinsicht ausdrücklich frei, eigene strengere Vorschriften zu erlassen. Trotz der Beschwerden gehen Beobachter davon aus, dass das vom Bundeskabinett bereits verabschiedete Gesetz auch in Bundestag und Bundesrat Zustimmung finden wird.

Experten haben die Gebäudeheizung längst als größten Einzelposten des deutschen Primärenergieverbrauchs ausgemacht und gehen davon aus, dass sich mit neuerer Technik bis zu 50 Prozent davon einsparen ließen. In bislang komplett unsanierten Wohnhäusern ließen sich nach Berechnungen der Deutschen Energieagentur dena sogar bis zu 85 Prozent Energie für Warmwasser und Heizung einsparen. (wst)