DNA-Profil hilft, passende Krebstherapie zu finden

US-Forscher prüfen vor einer Behandlung per Gentest, ob Patienten sich für ein bestimmtes Medikament eignen.

vorlesen Druckansicht 25 Kommentare lesen
Lesezeit: 3 Min.

Seit Jahren schon gilt die so genannte personalisierte Medizin, bei der die Behandlung mittels vorab vorgenommener DNA-Analyse auf den jeweiligen Patienten maßgeschneidert wird, eher als Hype-Begriff denn als praktische Realität. Eine der ersten Krankheiten, bei denen man sich mit der neuen Technik Fortschritte erhoffte, war der Krebs, weil dieser in zahlreichen unterschiedlichen Varianten auftritt. Eine neue Studie von Lecia Sequist, Forscherin der Harvard Medical School, demonstriert nun erstmals praktisch, wie sich eine Krebstherapie an das genetische Profil eines Tumors ausrichten lässt, berichtet das Technologiemagazin Technology Review in seiner Online-Ausgabe.

Die Onkologin am Massachusetts General Hospital Cancer Center führte eine kleine klinische Forschungsreihe mit Patienten durch, die an einer bestimmten Lungentumorart litten. Dabei wurden die Betroffenen zunächst genetisch untersucht, um herauszufinden, welche sich am besten für eine zielgerichtete Therapie eigneten. Diejenigen, die anschließend einen passenden Wirkstoff erhielten, der sich an ihrem Krebs orientierte, zeigten größere Fortschritte als eine Kontrollgruppe.

Überprüft wurde dies an einer besonders aggressiven Lungenkrebs-Variante, die bislang vor allem mit Chemotherapie behandelt wurde. In den vergangenen Jahren wurden hier aber auch neue Medikamente genutzt, die spezifische Moleküle bei den Krebszellen angreifen: Rezeptoren der EGFR-Klasse. Der Wirkstoff, den Sequist testete, war der erste EGFR-Hemmer, der 2003 auf den Markt kam. Nach größeren Studien ergab sich allerdings, dass sich damit die Überlebenschance für Patienten in den Vereinigten Staaten nicht signifikant erhöhen ließ und heute wird der Ansatz nur noch in Verbindung mit Chemotherapie verwendet.

Allerdings scheint nicht jeder Patient gleich auf EGFR-Hemmer zu reagieren. Bei der Sequist-Studie, die vom Pharmaunternehmen AstraZeneca finanziert wurde, das selbst EGFR-Hemmer herstellt, untersuchte das Team zunächst Patienten mit Lungenkrebs, der bereits Metastasen gebildet hatte, auf EGFR-Mutationen – und gaben denjenigen, bei denen sie sich feststellen ließen, die Möglichkeit, zu EGFR-Hemmern statt zur Chemotherapie als erster Behandlungsform zu greifen. Das funktionierte: Von den 31 Patienten, die Iressa verabreicht bekamen, ließ sich bei 55 Prozent eine deutliche Tumorverkleinerung in einer CT-Untersuchung feststellen. Beim Rest der Betroffenen wuchs der Tumor mindestens einen Monat nicht.

Frances Shepherd, Lungenkrebsforscher am Princess Margaret Hospital in Toronto, gibt zu Sequists Studie allerdings zu bedenken, dass es an soliden Belegen fehle, dass EGFR-Hemmstoffe vor der Chemotherapie angewendet werden sollten. Der Wissenschaftler verweist auf Studien, die zeigen, dass Patienten mit EGFR-Mutationen auch bei der Standard-Chemotherapie länger überlebten als solche ohne – die Therapieform sei also womöglich relativ egal.

Mehr zum Thema in Technology Review online:

(bsc)