Herr Kellerhals, lassen Sie die Hosen runter!

Wenn das stimmt, was die Gerüchte sagen und die Wirtschaftswoche schreibt, dann ist es ein Skandal: Angeblich hat sich MSH-Mitgründer und Minderheitsgesellschafter Erich Kellerhals am direkten Konkurrenten Getgoods beteiligt. Der Vorwurf wäre mit einem Dementi leicht aus dem Weg zu räumen – aber Kellerhals schweigt. Und klagt sich damit selber an.

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Von
  • Damian Sicking

Lieber MSH-Mitgründer und –Minderheitsgesellschafter Erich Kellerhals,

was ist los mit Ihnen? Haben Sie die Sprache verloren? Oder haben Sie ein Schweigegelübde abgelegt? Ich meine, da stellt eine angesehene Wirtschaftszeitschrift eine unglaubliche, eine ungeheure Behauptung Sie betreffend auf, und Sie sagen dazu: Nichts. Einfach nur nichts. Wie kann das sein? Dafür kann es nur eine Erklärung geben: Sie sind schuldig im Sinne der Anklage.

Um was geht es? Die Wirtschaftswoche hatte sowohl in ihrer Print- als auch in ihrer Online-Ausgabe vom 23. März behauptet, dass Sie sich in nennenswerter Höhe an dem ostdeutschen Internet-Händler Getgoods AG beteiligt hätten – die Rede ist von einem Anteil von 22 Prozent. Dabei stützt sich die Wiwo auf Informationen aus der Branche. Weder Getgoods noch Ihre Beteiligungsfirma Convergenta Invest aus Bad Wiessee wollten sich zu diesem Thema äußern. Auch auf Ihrer eigenen Homepage www.erich-kellerhals.de bzw. www.kellerhals.com herrscht das berühmte Schweigen im Walde. "Die Seite ist in Bearbeitung…" heißt es hier.

Lieber Herr Kellerhals, wenn das stimmt, was die Wiwo schreibt, wenn Sie als Gesellschafter und damit als Mitunternehmer der MSH-Gruppe sich tatsächlich an einem direkten Wettbewerber und Konkurrenten beteiligt haben, dann wäre das ein Skandal. Das wäre nicht nur ungehörig, das wäre in höchstem Maße unanständig und auch geschäftsschädigend. Ich bin kein Jurist, aber dieses Verhalten wäre vermutlich auch rechtlich unsauber. Ich bin sicher, dass jeder MSH-Mitarbeiter für so ein Verhalten die fristlose Kündigung erhalten würde, und wissen Sie, mit was? Mit Recht!

Wenn die Informationen der Wiwo stimmen, dann wäre das, was Sie getan hätten, wie ein schmutziges Liebesverhältnis. Okay, die Ehe zwischen Ihnen und MSH-Mehrheitsgesellschafterin Metro ist zerrüttet, Tisch- und Betttuch sind zerschnitten. Aber warum dann nicht einen sauberen Cut machen, eine astreine Trennung, und sich anschließend einem neuen Lebensabschnitt bzw. einer neuen Lebensabschnittsgefährtin zuwenden? Das wäre absolut in Ordnung und niemand würde sich aufregen. Aber so…

Gut, wir wissen nicht, ob die Gerüchte stimmen. Ich vermute allerdings nicht, dass eine angesehene Publikation wie die Wirtschaftswoche eine solche Meldung leichtsinnig verbreitet. Und der Ball liegt in Ihrem Spielfeld, lieber Herr Kellerhals. Sie könnten ja ganz einfach Klarheit schaffen. Äußern Sie sich dazu! Doch Sie ziehen es vor, zu schweigen. Aber dieses Schweigen wird gegen Sie verwendet. Wenn die Informationen der Wiwo nicht stimmen würden, hätte man ein schnelles und klares Dementi erwarten dürfen. Es kam aber nichts dergleichen. Also gilt in diesem Fall: Wer schweigt, klagt sich an. Dies umso mehr, als Sie in der Vergangenheit gerne öffentlich Ihre kaputte Beziehung zum MSH-Mehrheitsgesellschafter Metro und dessen Vorstandsvorsitzenden auf Ihrer Homepage und in Medien wie Spiegel und Manager-Magazin öffentlich ausgebreitet haben.

Und genau aus diesem Grund will ich auch nicht, dass dieser Vorwurf der angeblichen Beteiligung am direkten MSH-Konkurrenten zwischen Ihnen und der Metro "diskret" hinter verschlossenen Türen geregelt wird. Wir, die Öffentlichkeit, haben Ihnen und der Metro in den vergangenen Monaten immer wieder dabei zusehen dürfen (oder müssen), wie Sie – sogar unter Beteiligung der deutschen Justiz – schmutzige Wäsche gewaschen haben. Insofern haben wir uns sozusagen das Recht darauf erworben, auch in dieser Folge der Seifenoper "Kellerhals und die Metro" in der ersten Reihe vor dem Bildschirm sitzen zu dürfen.

Nein, Herr Kellerhals, wir lassen uns nicht einfach ein- und ausschalten, gerade so wie es Ihnen gefällt. Deshalb fordern wir: Hosen runter, Herr Kellerhals! Welche direkte oder indirekte Beziehung besteht zwischen Ihnen und der Firma Getgoods?

Beste GrĂĽĂźe!

Damian Sicking

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