Reaktor vom Fließband
Der US-Technologiekonzern Babcock and Wilcox will zentrale Bestandteile von Kernkraftwerken in einer Fabrik fertigen und damit Bauzeit und Baukosten senken.
Inmitten der Debatte über die Zukunft der Energieversorgung wartet der Reaktorhersteller Babcock and Wilcox mit einer Neuentwicklung auf, die den Ruf nach einer "Renaissance der Kernenergie" verstärken könnte: Anders als bisherige Kernreaktoren, die aufwändig am Kraftwerksstandort zusammengebaut werden müssen, soll der neue mPower-Reaktor in der Fabrik gefertigt werden. Das soll die Bauzeit von Kernkraftwerken halbieren und die Baukosten deutlich senken, berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe.
Heutige AKWs sind riesige Anlagen mit einer Leistung von 1000 und mehr Megawatt. Im Vergleich zu mehreren kleinen Anlagen rechnet sich die Größe, weil wesentliche Komponenten des Kraftwerks wie das Containment oder der Kontrollraum nur einmal errichtet werden müssen. Andererseits ist allein die Finanzierung eines solchen Baus eine Herkulesaufgabe: Der neue Europäische Druckwasserreaktor in Finnland etwa wird voraussichtlich knapp fünf Milliarden Euro kosten. Hinzu kommt, dass es vom Baubeginn an fünf bis sechs Jahre dauert, bis die erste Kilowattstunde produziert wird.
Die neue Konstruktion von Babcock and Wilcox könnte das Finanzierungsrisiko senken, meint Andrew Kadak, Nuklearingenieur am MIT. Der Reaktor ist wesentlich kleiner und hat eine Leistung von nur 150 Megawatt. Allerdings lassen sich mehrere solcher Reaktoren in einer Anlage zusammenschalten. Weil Babcock and Wilcox den Reaktordruckbehälter und den Dampferzeuger in einer einzigen Konstruktion integriert, ist der Reaktor klein genug, um mit einem Güterwaggon transportiert zu werden. Daher kann die Fertigung zentral erfolgen.
Auch die Kosten für den Abriss der irgendwann wieder still gelegten Reaktoren ließen sich so drücken. Mit welchem gewaltigen logistischen, technischen und finanziellem Aufwand der so genannte Rückbau alter, stillgelegter Kernkraftwerke verbunden ist, können Sie in der aktuellen Print-Ausgabe von Technology Review lesen (Heft 07/09 ist seit dem 18.6. am Kiosk oder portokostenfrei online zu bestellen): TR-Autor Reimar Paul hat das derzeit weltgrößte Abrissvorhaben eines AKW in der Nähe von Lubmin besucht – der Rückbau ist voraussichtlich 2013 beendet und wird rund drei Milliarden Euro kosten.
Mehr zum Thema Atomkraft in Technology Review:
- TR Online: Das AKW aus der Fabrik
- TR 07/06: Abriss als Export-Hit
(bsc)