Mikroben beeinflussen Gewicht
Zwei neue Studien sprechen dafĂĽr, dass die Bakterienpopulation im Verdauungstrakt mit der Gewichtsentwicklung eines Menschen zu tun hat.
Eine speziell angepasste Magen-Darm-Flora könnte Übergewichtigen künftig beim Abnehmen helfen. Darauf lassen zumindest zwei neue Untersuchungen schließen, die an Harvard University und Cedars-Sinai Medical Center entstanden sind, berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe. Die erste Studie konnte an Mäusen zeigen, dass ein Magenbypass nicht nur deshalb beim Gewichtsverlust hilft, weil der Magen verkleinert wurde, sondern auch durch die damit einhergehende neue mikrobielle Zusammensetzung. Die zweite Studie fand wiederum heraus, dass Menschen mit einem hohen Anteil an methanproduzierenden Mikroben im Darmbereich mit einer größeren Wahrscheinlichkeit übergewichtig sind als die Durchschnittspopulation.
Die Studien aus Cambridge und Los Angeles sind nicht die ersten Arbeiten, die Darmmikroben und Gewicht miteinander in Verbindung bringen. Vor einigen Jahren wurde beispielsweise entdeckt, dass sowohl Menschen als auch Mäuse mit Übergewicht eine andere Mikroorganismenzusammensetzung im Magen-Darm-Trakt aufweisen als dünne Individuen. Beim Abnehmen änderte sich auch die Mikrobenzusammensetzung. Und noch interessanter: Transplantierte man Mikroorganismen aus dem Magen-Darm-Trakt übergewichtiger Personen in sterile Mäuse, nahmen die Mäuse schneller zu als mit der Darmflora schlanker Menschen.
Lee Kaplan und seine Kollegen an der Harvard University haben nun noch mehr Hinweise darauf gefunden, dass Mikroorganismen bei der Gewichtskontrolle helfen und sie auch eine Rolle bei einer der erfolgreichsten Abnahmetherapien spielen, die derzeit zur Verfügung steht: dem Magenbypass. Forscher hatten bereits angenommen, dass ein solcher Eingriff nicht nur wegen der dann automatisch geringer ausfallenden Kalorienaufnahme hilfreich ist. (Ein Magenbypass reduziert das Magenvolumen und sorgt damit dafür, dass Menschen weniger essen können.) Patienten zeigten auch Veränderungen im Blutzucker und bei Hormonen, die den Hunger regulieren – und zwar sogar, bevor sie überhaupt Gewicht verloren.
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(bsc)