Forschungsprojekt soll Umgang mit Internet-Gentests verbessern
Der bislang noch kaum regulierte Markt sorgt fĂĽr Ratlosigkeit bei Endkunden - und Medizinern, die mit der Datenflut konfrontiert werden.
DNA-Analysen, die nach genetischen Variationen suchen, die mit einer Anzahl häufig vorkommender Krankheiten zusammenhängen können, sind inzwischen frei über das Internet erhältlich. Zahlreiche Firmen insbesondere aus den USA versuchen, damit Geld zu verdienen. Doch ein Patient, der mit dieser Datenfülle schließlich zum Arzt geht, wird in der Praxis zumeist auf ratlose Gesichter stoßen: Es fehlt an Fachleuten, die die Datenflut überhaupt interpretieren könnten. So bleiben viele Ängste – und Tests, die medizinisch zumindest fragwürdig sind und von Fachleuten teils harsch kritisiert werden.
Ein neues Projekt, das seit Dezember am Coriell Institute for Medical Research in New Jersey läuft, soll die Problematik nun beherrschbarer machen, berichtet das Technologiemagazin Technology Review in seiner Online-Ausgabe. Die Einrichtung bietet in den nächsten zwei Jahren 10.000 Freiwilligen kostenlose Gentests an. Teilnehmer erhalten Informationen über ihr genetisches Risiko bei einer Anzahl bekannter Krankheiten – und vor allem sinnvolles Datenmaterial, das ihrem Hausarzt übergeben werden kann.
Das Projekt soll sowohl Medizinern als auch Patienten helfen, mit den Informationen aus DNA-Untersuchungen besser umzugehen. Forscher werden dabei jeden Schritt des Prozesses begleiten, um herauszufinden, wie sich die gewonnenen Daten im Praxisalltag wirklich verwenden lassen – zur Behandlung, aber auch zur Vorbeugung.
Das Coriell-Projekt soll ähnliche Dienstleistungen anbieten, wie sie von privaten Firmen wie Navigenics, DeCode oder 23andMe angeboten werden. Der Unterschied: Coriell will nur bestimmte Tests durchführen und Ärzte von vornherein involvieren. "Wir wollen ein Modell erstellen, wie eine ethisch saubere, verantwortungsvolle Praxis im Umgang mit solchen genetischen Informationen aussehen könnte", sagt Christman. Das sei auch deshalb wichtig, weil bislang der Staat noch kaum eingreife und nur wenige Gentests US-weit reguliert seien.
Noch sind nicht alle Details abgesteckt, doch derzeit sieht es danach aus, dass die Teilnehmer anfangs Risikoinformationen zu elf verschiedenen Erkrankungen erhalten werden – darunter Brust- und Prostata-Krebs, Typ-2-Diabetes, Herzerkrankungen und Makula-Degeneration. Bevor Informationen an den Patienten gelangen, sollen sie stets von einem Ärzteausschuss auf ihre Nützlichkeit für die Gesunderhaltung analysiert werden.
Mehr zum Thema in Technology Review online:
(bsc)