Telekom steht kurz vor der Partnerwahl fĂĽr T-Systems
Berichte, der Kreis der möglichen Partner habe sich auf wenige Firmen verkleinert, wird aus Verhandlungskreisen bestätigt. Die indische Tata sei für T-Systems ein idealer Partner, da die Gesellschaft über viele Mitarbeiter in Niedriglohnländern verfüge.
Die Suche nach einem Partner für die Telekom-Geschäftskundensparte T-Systems steht nach Informationen aus dem Konzernumfeld kurz vor dem Abschluss. Der Kreis der möglichen Kooperationspartner habe sich auf einige wenige beschränkt, verlautete am heutigen Montag aus mit den Vorgängen vertrauten Kreisen. Dabei wurde ein Bericht der Financial Times Deutschland bestätigt, der am Wochenende bekannt wurde: Die besten Chancen könne sich der indische IT-Dienstleister Tata Consultancy Services ausrechnen.
"Die Gespräche mit Tata stehen kurz vor dem Abschluss, bereits in einigen Tagen könnte der Vertrag unterschrieben werden", hieß es. Allerdings könnten die Gespräche mit den Indern noch auf der Zielgeraden scheitern, da es noch einige offene Punkte gebe. Tata sei für T-Systems ein idealer Partner, da die Gesellschaft über viele Mitarbeiter in Niedriglohnländern verfüge. Die Telekom-Tochter könnte darüber ihre zum Wettbewerb vergleichsweise hohen Lohnkosten in den Griff bekommen. Ein Sprecher der Telekom äußerte sich nicht dazu.
Bislang beschäftigt T-System weniger als 3.000 Programmierer in Niedriglohnländern; Marktführer IBM kommt auf mehr als zehnmal so viele. Trotz der geplanten Verlagerung von Arbeit an den Partner ist den informierten Kreisen zufolge ein Abbau von Arbeitsplätzen in dem Bereich nicht zwingend notwendig. Da rund zwei Drittel der Leistungen direkt beim Kunden erbracht werden müssten, werde die Telekom weiterhin Beschäftigte in dem Bereich Systems Integration benötigen.
Die Telekom will über die Kooperation ihre internationale Präsenz im Großkundengeschäft steigern und stärker von der zunehmenden Verzahnung von IT- und Telefondienstleistungen profitieren. Dazu soll der Bereich Systems Integration mit rund 18.000 Programmieren und IT- Spezialisten in die Partnerschaft eingebracht werden. Geplant ist nach Angaben aus Konzernkreisen zudem eine Verschlankung der Einheit mit ihren 56.000 Beschäftigten. Dazu sollen die bislang getrennten Bereiche Enterprise Services (ES) und Business Services (BS) gebündelt werden.
Der seit Anfang Dezember amtierende Vorstandschef von T-Systems, Reinhard Clemens, will die Betriebsabläufe vereinfachen und die Gesellschaft stärker auf die Bedürfnisse der Kunden ausrichten. Bei T-Systems seien zu viele Leute involviert, und die Prozesse seien zu komplex, hatte er bei Amtsantritt vor Mitarbeitern gesagt. "Ich glaube, wir müssen unser Geschäft einfach fundamental vereinfachen." Der frühere EDS-Deutschlandchef ist eng in die Partnersuche für T- Systems eingebunden.
T-Systems gilt als Sorgenkind des Unternehmens, da die Margen hinter denen der anderen Konzernteile zurückbleiben. Telekom-Chef René Obermann hatte daher im März 2007 die Suche nach einem Partner für die Geschäftskundentochter eingeläutet. In den vergangenen Wochen konnte T-Systems bei Neuaufträgen gegenüber der Konkurrenz Boden gutmachen. So beauftragte der Triebwerke-Hersteller MTU Aero Engines die Telekom-Sparte mit der Betreuung seiner IT-Infrastruktur. T-Systems ist zudem im Rennen um einen Großauftrag des Ölkonzerns Royal Dutch Shell. Ein wichtiger Auftrag der Post ging der Telekom indes durch die Lappen, den Zuschlag bekam der US-Konzern Hewlett-Packard. (dpa) / (jk)