IT-Arbeitsmarkt: Kein Grund zur Euphorie
Rund 27.000 arbeitslose IT-ler und 7.500 offene Stellen fĂĽhrte die Arbeitsagentur im Juni in ihrer Datei.
Die Zahl der bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldeten Arbeitslosen im IT-Bereich verringerte sich im Juni leicht auf 26.697. Sie enthält nicht die Arbeitslosen, die bei kommunalen oder sonstigen Trägern gemeldet sind. Es fehlen unter anderem auch Personen mit 1-Euro-Jobs und Teilnehmer von Qualifizierungs- und AB-Maßnahmen.
Auch die Zahl der offenen Stellen rangiert weiter bei 7.500. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Agentur nur einen Teil erfassen kann. Nach Schätzungen ihrer Forschungseinrichtung, dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), bleibt ihr grob geschätzt die Hälfte der offenen Stellen unbekannt. heise online publiziert die Zahlen dennoch monatlich, weil sie über die Jahre hinweg betrachtet Trends erkennen lassen.
Die Bundesagentur muss bei der Berechnung der Arbeitslosen gesetzliche Vorgaben ausführen, die im Rahmen der Hartz-IV-Gesetzgebung neu definiert worden sind. Dies führt zu einer hohen und schwer zu definierenden Dunkelziffer. Dirk Niebel, arbeitsmarktpolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion und Generalsekretär der FDP, hat in einer Mitteilung darauf hingewiesen, dass die Zahl der versteckten Arbeitslosen nach wie vor exorbitant hoch sei. Konstant zu hoch sei die Zahl derjenigen, die keine Arbeit hätten, aber in der Statistik nicht als Arbeitsuchende geführt würden. Niebel geht von insgesamt etwa 1,5 Millionen Arbeitsuchenden aus, die in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen oder 1-Euro-Jobs "geparkt" seien und in der offiziellen Statistik "schlichtweg verschwiegen" würden.
Joachim Jahnke, früher stellvertretender Leiter der Außenwirtschaftsabteilung im Bundesministerium für Wirtschaft sowie Vizepräsident der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung in London, relativiert mit statistischen Argumenten die publizierten Arbeitslosenzahlen noch eindringlicher. Auf seiner Webseite rechnet er vor, dass die Arbeitsmarktzahlen vom Juni "bei aller Beschönigung und statistischen Manipulation" wenig Anlass zur Euphorie gäben, weil unter anderem über alle Bereiche gesehen in Deutschland neben den in der Statistik verschwiegenen Arbeitslosen
- fast 5 Millionen Menschen nur geringfĂĽgig entlohnt wĂĽrden,
- sich über 2 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte genötigt sähen, zusätzlich einen geringfügig entlohnten Nebenjob auszuüben,
- inzwischen rund ein Drittel der Gesamtzunahme an Erwerbstätigkeit pro Jahr auf unsichere und in der Regel schlecht bezahlte Zeitverträge entfalle.
Siehe dazu auch:
(fm)