UMTS 900 im kommerziellen Einsatz
Finnland und Estland nutzen die 900-MHz-Frequenzen trotz eines EU-Verbots für UMTS-Dienste.
Derzeit funken die europäischen GSM-Netze in den 900- und 1800-MHz-Bändern, während die UMTS-Netze im 2100 MHz-Band übertragen. Netzbetreiber aus Estland, Finnland und Thailand nutzen laut der GSA, einer Vereinigung von Herstellern von Mobilfunk-Hardware, das 900-MHz-Band nun auch für UMTS-Dienste.
Durch die geringere Frequenz wird eine größere Flächenabdeckung bei gleicher Zellenanzahl möglich, zudem verbessert sich die Funkversorgung in Gebäuden. Dies ist beispielsweise in dünn besiedelten Ländern wie Finnland sehr sinnvoll. Hier ist das UMTS-Netz nur in größeren Städten ausgebaut, in weiten Teilen des Landes gibt es lediglich langsame GSM-Netze.
Tests der Infrastruktur-Lieferanten Huawei und Qualcomm haben gezeigt, dass GSM und UMTS im 900-MHz-Band koexistieren können. Derzeit funken jedoch nur wenige UMTS-Handys auf diesem Frequenzband, etwa die Nokia-Geräte 6214 classic und Nokia N78 sowie das HTC touch Diamond.
Der UMTS-900-Nutzung in Europa steht zudem eine EU-Richtlinie zur Frequenznutzung entgegen: Bislang dürfen die Netzbetreiber auf diesem Frequenzband nur GSM-Dienste anbieten. Eigentlich müsste die EU-Kommission deshalb ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Finnland und Estland einleiten. Das EU-Parlament und der EU-Rat arbeiten jedoch an einer Liberalisierung der Frequenznutzungsrichtlinien: Nicht nur im 900-MHz-Band, sondern auch in dem im kommenden Jahr zur Verteilung anstehenden Band um 2,6 GHz sollen die Netzbetreiber beliebige Funkstandards einsetzen können, die Vergabe soll technikneutral erfolgen.
Die Bundesnetzagentur ist nach Angaben von Pressesprecher Rudolf Boll derzeit noch in der Prüfungsphase von UMTS 900, möchte aber die Frequenzvergabe in Zukunft so liberal wie möglich gestalten. Damit, so Boll, sei allen gedient. (Paula Grüneberg) / (ll)