Centrino meint bald nur noch WLAN
Mit dem Start der Mobilversion des Core i7 will Intel der Marke Centrino weniger Bedeutung beimessen. Diese war Anfang 2003 eingefĂĽhrt worden und bezog sich auf die Gesamteinheit von Prozessor, Chipsatz und WLAN-Modul.
Bei Einführung der Mobilversionen der Nehalem-Prozessorarchitektur will Intel die Bedeutung des Marketingbegriffs Centrino ändern: Damit sollen dann nur noch die WLAN- und WiMAX-Chips von Intel bezeichnet werden, nicht mehr wie bisher die Kombination aus Prozessor, Chipsatz und WLAN-Chip. Auch die Zuordnung zum neuen Namensschema erklärt Intel: Clarksfield, die fürs zweite Halbjahr erwartete Version mit vier Kernen in 45-nm-Fertigung ohne Grafikkern heißt i7. Anfang 2010 folgt Arrandale (32 nm mit 45-nm-Grafikkern) als Core i3, später sollen auch i5- und i7-Varianten erscheinen.
Bei der Nehalem-Architektur erledigen die Prozessoren die Northbridge-Funktionen, sie haben einen Speicher-Controller, die Schnittstelle zur Southbridge und einen Grafikkern oder die Grafikchip-Schnittstelle an Bord. Damit ist der Hauptzweck von Centrino, nämlich eine Marke auch noch für den Chipsatz zu schaffen und Konkurrenten wie VIA, Nvidia und ATI zu verdrängen, überflüssig. Denn nun geht es nur noch um die Southbridge – und da liegt Intel gerade mit Nvidia im Streit – und halt den WLAN-Chip, der dann auch weiter das Centrino-Label trägt. Eine Mobilfunkanbindung per UMTS, HSDPA oder LTE fällt weiterhin nicht unter Centrino.
Intel hatte Centrino Anfang 2003 mit dem Start des Pentium M als Marketingbegriff eingeführt. Immer waren Prozessor, Chipsatz und WLAN-Modul damit gemeint, doch oftmals wird Centrino auch nur als Synonym für den Prozessor verstanden. Die Anforderungen hat Intel stetig den Plattform-Entwicklungen angepasst, so heißt der Mobilprozessor seit Ende 2005 Core, seit 2006 Core 2. Mitte letzten Jahres, während eines eher kleinen Update des Chipsatzes, hatte Intel den Zähler auf Centrino 2 erhöht.
Nur wenige Hersteller haben sich bei hochpreisigen Geräten den Marketingvorteil von Centrino entgehen lassen. Wenn WLAN-Module von Broadcom oder Atheros mal den Intel-Pendants technisch überlegen waren, waren sie in den Business-Geräten von HP, Dell oder Lenovo zwar erhältlich, aber meist etwas versteckt, auch weil die Hersteller sorgfältig darauf achten mussten, diese Konfigurationen nirgends mit Centrino zu bezeichnen.
Mit dem Celeron M und Pentium Dual Core hat zwei Mobilprozessorreihen im Angebot, die gar nicht erst unter Centrino fallen. Sie sind vorwiegend in preisgünstigen Notebooks zu finden, die dann tatsächlich meist WLAN-Chips und Chipsätze von anderen Herstellern nutzen. Darunter erfreuen sich die Grafik-Chipsätze von ATI und Nvidia großer Beliebtheit, weil ihre Grafikkerne schneller als die von Intel arbeiten. Besonders Nvidias GeForce 9400M legt eine beeindruckende Leistungsfähigkeit an den Tag, wie Apples Macbooks zeigen – leider kombiniert sonst kein Hersteller den 9400M mit den schnellen Core-2-Prozessoren. Mit Intels Nehalem-Architektur geht diese Vielfalt ohnehin verloren, da bleibt nur die Wahl zwischen Intels Core i3 mit CPU-Grafikkern oder einem Core i7 mit separaten Grafikchip, der in puncto Leistungsaufnahme/Akkulaufzeit, Preis und Baufläche deutlich schlechter abschneidet. (jow)