Alternde Belegschaften – Herausforderung für Unternehmen

Der Altersdurchschnitt der Belegschaften wird in Zukunft deutlich höher sein, das haben die meisten Unternehmen erkannt. Doch die Vorbereitungen darauf sind bislang schwach ausgeprägt.

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Von
  • Marzena Sicking

Eine aktuelle Umfrage der Unternehmensberatung Giovanni Sciurba Consult unter 238 Unternehmen zeigt, dass die meisten Firmen um die Herausforderungen durch alternde Belegschaften wissen. Doch die Erkenntnis bringt keine Konsequenzen mit sich: Obwohl die meisten Unternehmen sagen, dass sie dem Thema eine große Relevanz einräumen, fehlt es an konkreten Maßnahmen. Offenbar verändert sich die Wahrnehmung, doch konkrete Handlungsansätze, wie mit dieser Entwicklung umzugehen ist, sind noch immer nicht in Sicht.

(Bild: Giovanni Sciurba Consult)

In der Umfrage, die im Januar und Februar 2013 durchgeführt wurde, sagten 82 Prozent der befragten Unternehmer, dass sie die Herausforderungen, die sich aus alternden Belegschaften ergeben, klar erkennen. Allerdings konnten nur 51 Prozent auch eine adäquate Vorbereitung darauf vorzeigen. So glauben beispielsweise 76 Prozent der Befragten, dass aufgrund der Entwicklung altersgerechte Arbeitszeitmodelle in einem Unternehmen unbedingt notwendig sind. Doch nur 41 Prozent bieten diese auch an oder arbeiten an entsprechenden Modellen.

Eine ähnliche Diskrepanz zeigt sich auch beim dazugehörigen Umgang mit dem Fachkräftemangel. Grundsätzlich sind sich alle einig, dass die offenen Stellen künftig nicht mehr nur mit jungen Arbeitskräften besetzt werden können. 62 Prozent arbeiten sogar an Maßnahmen, um dem Fachkräftemangel im eigenen Unternehmen entgegenzuwirken. Allerdings hat dabei gerade mal ein Viertel der Befragten auch die Schaffung von Arbeitsplätzen für Arbeitnehmer über 55 Jahren auf dem Radar. Altersgerechte Weiterbildung ist auch nur in 23 Prozent der Firmen ein Thema. Wer dem Fachkräftemangel entgegenwirkt, tut dies außerdem vor allem durch eine verstärkte externe Personalbeschaffung, hat aber keine besonderen Konzepte dazu, wie bereits beschäftigte Arbeitnehmer dauerhaft gehalten werden können.

Einen großen Nachholbedarf haben die Unternehmen auch beim Thema altersgerechte Gesundheitsvorsorge. Hier zeigt sich ein ähnliches Bild wie bei den anderen Punkten: Die Mehrheit der Befragten (83 Prozent) hält Maßnahmen in diesem Bereich für notwendig und wichtig, aber nur 57 Prozent würden das Gesundheitsmanagement in ihrem Unternehmen als entsprechend gut aufgestellt bezeichnen.

Die Erkenntnis, dass die Unternehmen der demografischen Entwicklung hinterherhinken ist nicht neu. Schon 2006 hat das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) bei den Arbeitgebern erhebliche Defizite im Umgang mit dem Thema festgestellt. Auch eine Befragung, der IG Metall im vergangenen Jahr, zeigte, dass es in vielen Unternehmen noch immer an einer demographieorientierten Personalstrategie fehlt. Obwohl das Thema seit Jahren in aller Munde ist, bessert sich der betriebliche Umgang damit offenbar nicht. (map)