Schlummern als Trainingsraum

Ein finnischer Forscher glaubt, das Rätsel des Träumens gelöst zu haben.

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Noch immer ist sich die Wissenschaft weitgehend uneinig darüber, warum der Mensch träumt und welche genauen Auswirkungen der nächtliche Ausnahmezustand des Gehirns auf Körper und Geist tatsächlich hat. Vom "Rauschen" des Denkapparats im Erholungszustand über die Verarbeitung von Erlebnissen zum Erhalt der geistigen Gesundheit reicht die Erklärungspalette. Der finnische Psychologe und Dozent am Zentrum für kognitive Neurowissenschaften der Universität Turku, Antti Revonsuo, hat nun eine neue Traumtheorie entwickelt, die erstaunlich einfach klingt: Demnach trainiert das Gehirn im Schlaf den Menschen, mit Gefahrensituationen besser umzugehen in Form einer Art Simulation, die unseren Vorfahren beim Überleben geholfen haben könnte. Die Theorie würde auch erklären, warum Albträume nachweisbar häufiger vorkommen, als es vielen Menschen bewusst ist.

Im Interview mit dem Technologiemagazin Technology Review erläuterte Revonsuo seine Idee, die er anhand der Traumtagebücher von Versuchspersonen belegen will. Neben eher primitiven Bedrohungsszenarien gehen die Menschen demnach auch "moderne" Angstsituationen durch, auf die nicht nur mit Fluchtreflexen, sondern auch durchdachten Lösungen reagiert werden muss. Wirklich viel nütze das "Training" dem Menschen aber nicht mehr: "Es würde helfen, wenn die Bedrohung, die wir im Traum simulieren, eine konkrete physische Reaktion verlangt, die wir dann darin viele Male wiederholen könnten. Andererseits leben wir heute in einer derart veränderten Welt und sind vor vielen archaischen Gefahren geschützt, die unsere Ahnen noch bedrohten." Es könne sein, dass das "Simulationssystem" nicht gut genug an die Moderne angepasst ist und dementsprechend auch nicht mehr einen entsprechenden sinnvollen Input erhalte. "Deshalb passiert es auch, dass in unseren Träumen ganz leicht Situationen aus Horrorfilmen und dem Fernsehen auftauchen."

Revonsuo sieht in seiner Theorie jedoch nicht die alleinige Erklärung für das Träumen; etwa wenn man im Schlaf Glücksmomente oder sexuelle Erregungen erlebe: "Entweder haben diese Träume eine andere Funktion, simulieren oder trainieren uns vielleicht für andere wichtige Aspekte menschlichen Verhaltens. Oder sie haben für sich genommen gar keine Funktion. Sie sind dann vielleicht nur ein Zeichen dafür, dass das Simulationssystem gerade "schläft" und es keine Gefahrensituationen im Gedächtnis findet, die abgerufen und trainiert werden müssten."

Das ganze interview in Technology Review online:

(bsc)