Chef des Atomforums fordert "Neubewertung der Kernenergie"
E.ON-Energie-Vorstandsmitglied Hohlefelder betont Klimavorteile und hält auch alte Anlagen für sicher.
Der Präsident des Deutschen Atomforums, E.ON-Energie-Vorstandsmitglied Walter Hohlefelder, hat im Interview mit dem Technologiemagazin Technology Review erneut gefordert, den Ausstieg aus der Atomenergie in Deutschland zu überdenken. Es sei "längst überfällig", die Kernenergie in Deutschland "neu zu bewerten", sagte er. Deutschland sei mit der Ausstiegsentscheidung "international völlig isoliert". Hohlefelder gab sich davon überzeugt, "dass es sich bei der Kernenergie um eine nachhaltige Form der Energieerzeugung handelt". So sparten die AKWs in Deutschland jährlich 150 Millionen CO2-Emissionen ein, die ansonsten von Kohle- und Gas-Kraftwerken in die Atmosphäre abgegeben würden.
Neuerliche Kritik an der Sicherheit älterer deutscher Meiler, die nach Störfällen in Brunsbüttel und Krümmel aufgekommen war, wies der Konzernmanager zurück: "Auch ältere Reaktoren sind sicher. Wäre das nicht so, hätten die Aufsichtsbehörden – und sicher auch Herr [Bundesumweltminister] Gabriel – schon längst gehandelt, oder besser gesagt, handeln müssen." Die Betreiber von Kernkraftwerken hätten ein "ureigenes Interesse an größtmöglicher Sicherheit" ihrer Kernkraftwerke. Die Forderung nach Abschaltung alter Anlagen sieht Hohlefelder als "rein idiologisch motiviert" an. Nicht das Alter der Kernkraftwerke sei entscheidend, sondern ihre Sicherheit. "Die Anlagen werden durch Nachrüstungen kontinuierlich dem aktuellen Stand der Sicherheitstechnik nachgeführt."
Michael Sailer, Fachbereichsleiter Nukleartechnik und Anlagensicherheit beim Öko-Institut, sieht das deutlich kritischer. Im Technology Review-Interview hatte er im Juli davor gewarnt, dass es bei alten Anlagen zu Inkompatibilitäten zwischen alten Komponenten und Ersatzteilen kommen könnte: "Sie bekommen solche Standardteile heute nicht mehr genau in derselben Ausführung und von demselben Hersteller wie vor 30 Jahren. Sie können damit nicht sicher sein, ob ein neu eingebautes Teil genau das erfüllt, was in den Sicherheitsanalysen steht." Hohlefelder betonte hingegen, die periodische Sicherheitsüberprüfung sei im Atomgesetz "klar und wirksam" geregelt. "Handlungsbedarf sehe ich diesbezüglich keinen", sagte er.
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(bsc)