Komponenten: Trotz schwachem PC-Markt nicht am Ende

Dem PC-Markt geht es schlecht. Die Schlussfolgerung, dass damit auch der Komponenten-Sektor erkrankt sei, ist falsch. Das Segment befindet sich zweifelsfrei im Wandel, der Bedarf an Speziallösungen besteht aber nach wie vor.

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Von
  • Karl Fröhlich

Reinhard Daners, Head of BU Components, Also: "Komponenten werden immer benötigt, weil es immer Lösungen geben wird die durch 'Produkte von der Stange' nicht zu realisieren sind."

(Bild: ALSO)

Der Komponenten-Markt ist dabei sich neu zu erfinden. Außenstehende haben das Segment schon immer mit PCs gleichgesetzt. Dies ist aber nur die halbe Wahrheit. IDC & Co. beobachten mehr oder weniger ausschließlich die großen Markenhersteller und einige ausgewählte B-Brands. Die vor allem in Deutschland immer noch große Zahl an Fachhändlern, die "selber schrauben" sind hier gar nicht berücksichtigt.

Aktuell erreichen die PC-Verkäufe laut IDC einen neuen Tiefstand. Obwohl sich die Konjunktur leicht erholt, wurden weltweit im ersten Quartal fast 14 Prozent weniger Rechner abgesetzt, als noch vor einem Jahr. Eine Tendenz, die auf den Komponenten-Bereich nicht unbedingt 1:1 übertragbar ist. "Insgesamt lag der Komponentenumsatz im Q1 über dem Vorjahr", erklärt beispielsweise Reinhard Daners, Head of BU Components bei ALSO Deutschland, gegenüber heise resale.

"Die klaren Gewinner sind NAS-Systeme als fertiges Produkt, sowie ohne vor eingebaute Festplatten", ergänzt Alexander Spohr, BU Manager PCC bei Tech Data. "Des Weiteren haben wir hervorragende Umsätze mit SSDs erzielt. Das Volumengeschäft (HDD und CPU) war soweit stabil, Komponenten wie VGA-Karten und Motherboards waren dagegen stark rückläufig."

Für die Analysten heißt der Schuldige an der aktuellen Flaute: Windows 8. Wobei sich beispielsweise IDC bereits frühzeitig kritisch zu Windows 8 äußerte und sich natürlich nun in seiner Argumentation bestätigt fühlt. Das heise-Forum ist voll von 'Beschimpfungen' in Richtung Windows 8, das Business-Umfeld erteilt der gekachelten Touch-Oberfläche eine klare Absage. Ob dies dem PC-Absatz aber wirklich abträglich ist, bleibt fraglich.

Alexander Spohr, BU Manager PCC, Tech Data: "Mit NAS und SSDs verzeichnen wir hervorragende Umsätze. HDDs und CPUs sind sehr stabil"

(Bild: Tech Data)

"Die aktuelle Verschiebung vom klassischen PC/Notebook-Geschäft hin zu Smartphones und Tablets kannibalisiert das Komponentengeschäft", sagt Also-Manager Daners. "Die PC-Fertigung als Eigenmarke im Vergleich zu A-Brands schätze ich momentan als schwierig ein. Ich würde dies allerdings nicht auf Windows 8 reduzieren wollen. Es war wichtig, dass Microsoft mit der Touch-Funktionalität gekommen ist. Dies eröffnet durch neue Anwendungen auch neue Märkte. Im Moment kommt es sehr stark darauf an, dass der Fachhandel diese Marktveränderung wahrnimmt und sich entsprechend darauf einstellt. Komponenten werden immer benötigt, weil es immer Lösungen geben wird die durch 'Produkte von der Stange' nicht zu realisieren sind."

"In der Vergangenheit haben die Produkt-Launches von Microsoft – mit Ausnahme von Windows Vista – fast immer für einen Nachfrageschub gesorgt", erinnert Wolfgang Jung, Director Systems, Mobility & Components Group bei Ingram Micro Distribution. "Mit der Einführung von Windows 8 wurden aber leider nicht die erwarteten neuen Kaufimpulse geschaffen. Kunden können sich womöglich nicht mit dem Design von Windows 8 identifizieren. Zudem gibt es bei Notebooks und Desktops aktuell nur eine recht übersichtliche Anzahl von Applikationen, welche die Touch-Funktionalität von Windows 8 zwingend erforderlich machen." Nun aber die Schlussfolgerung zu ziehen, dass Windows 8 der Grund für den derzeitigen Tiefstand sei, erscheint allerdings auch Jung überzogen zu sein. Der Markt befinde sich viel mehr, vor allem in den zahlungskräftigen Mature-Markets, in einem fast gesättigten Zustand.

Kritikern zufolge macht es für den Handel heute keinen Sinn mehr ein klassisches PC- bzw. Komponenten-Business zu betreiben. Diverse Marktbeobachter prophezeien den Untergang dieses Geschäftes. Es ist unstrittig, dass sich der Markt in den letzten Jahren massiv verändert, doch sind Tablets und Smartphones nicht wirklich der Niedergang des Komponenten-Business.

Wolfgang Jung, Director Systems, Ingram Micro: "Die zahlungskräftigen Mature-Markets befinden sich in einem fast gesättigten Zustand."

(Bild: Ingram Micro)

Das sieht auch Also-Manager Daners so: "Dieses Untergangsszenario sehe ich nicht. Für das Broker-Geschäft kann ich mir vorstellen, wird es schwieriger. Die Kunden, die für die Bearbeitung ihrer Aufträge individuell Ware benötigen, werden sich weiter im Channel versorgen. Auch für Smartphones und Tablets wird Zubehör benötigt. Der Trend, sich mit einem Smartphone/Tablet zusätzlich zu einem Notebook oder einem stationären Desktop auszustatten, führt langfristig nicht dazu, dass es keine herkömmlichen Systeme mehr geben wird. Wenn vor zehn Jahren noch alle drei Jahre der Rechner ausgewechselt wurde, weil sich die Anforderungen an die Hardware aufgrund neuer Software-Angebote verändert haben, sehe ich diese Notwendigkeit im Moment nicht. Dies heißt aber nicht, dass überhaupt nicht mehr ersetzt wird, sondern eben nur anders."

Als Beispiele seien Ultrabooks, Convertibles, All-in-One-Rechner oder Intels NUC und die Zotac Zbox genannt. Demnach ändern sich auch der Bedarf und die Anforderung an die Komponenten allgemein. Insbesondere im Bereich Gaming zeichne sich zusehends ein Trend in Richtung PC, weg von der Konsole, ab. Zum Jahresende sollen dazu neue Grafikkarten die Nachfrage bei Highend-PCs befeuern.

"Letztendlich war der Komponenten- und PC-Markt immer in Bewegung", erklärt Daners. "Aktuell wird eine neue Runde eingeläutet, aber der Kampf geht weiter." Eine These, mit der er nicht alleine steht. Bereits in den 1990ern und frühen 2000er Jahren wurde über den Margenverfall lamentiert. Damals hatten die Hersteller allerdings den Fertigungsprozess noch nicht so im Griff wie heute. Allokationen wie früher gibt es heute so gut wie nicht mehr. Heute wird nach Bedarf gefertigt, eine Überproduktion gibt es eigentlich nur noch im Speicherbereich.

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Bei der Preisbeobachtung unterstĂĽtzten uns:

ALSO GmbH
B.com Computer GmbH
CTT AG
Devil AG
Ingram Micro GmbH

Der Unterschied zu damals ist allerdings, dass Händler früher vom Geschäft mit PCs leben konnten. "Mittlerweile ist es eher zu einem zweiten Standbein geworden, während die Dienstleistung Vorort hier den Lebensunterhalt sichert", resümiert Thomas Rosenblatt, Geschäftsführer bei PC-World, aus dem hessischen Rödermark. So ergeht es vielen Resellern. Was heute definitiv anders ist, im Vergleich zu früher: Muss heute ein Geschäft schließen, entstehen daraus nicht zwei, drei neue Händler oder Distributoren. Wie früher ist es auch heute noch so, dass Rechner von der Stange nur den Minimalbedarf abdecken. Der Bedarf an Speziallösungen ist nach wie vor vorhanden. "Spezial-PCs werden immer noch gefordert und hier ist der Kunde sehr sensibel – weniger wegen des Preises, sondern mehr auf Angepasstheit an seine Bedürfnisse und der qualitativen Beratung", ergänzt Rosenblatt. Dass das Ergebnis nachher auch entsprechend stimmen muss, sollte eigentlich immer eine Grundvoraussetzung sein. Wobei wir merken, dass sich die Mini-Margen mittlerweile auch bei manchen Händlern in minderem Qualitätseinsatz und Verbau, wie etwa fachgerechter Verkabelung, niederschlagen." (map)