Elektro-Kreide und Handy-GPS: Learntec stellt digitales Lernen vor

Die Learntech will zum Meinungsaustausch über Bildungs- und Informationstechnologie anregen. Diskutiert werden soll u.a., wie sich Bildung, Weiterbildung und der Umgang mit Wissen in globalisierten Märkten als Wettbewerbsvorteile durchsetzen können.

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  • Martin Oversohl
  • dpa

Das ABC in Schreibschrift erscheint auf der Tafel ebenso in Sekundenschnelle wie die Weltkarte, das Periodensystem und die aktuellen Fußballergebnisse –eine interaktive Schultafel und elektronische Kreide machen's möglich und finden bereits erste Freunde in Schulen. Auf der Karlsruher Messe Learntec trifft das Produkt eines Nürnberger Unternehmens ebenso auf Interesse wie ein GPS-gesteuerter Handy-Reiseführer, Online-Sprachkurse und Vorträge über das Lernen in der virtuellen Welt. Bis zum Donnerstag (31. Januar) wollen die rund 220 Aussteller die digitale Welt des Lernens präsentieren.

Unter dem Motto "Lernen 2.0 - Wege in die Zukunft" lädt die Learntec seit Dienstag auch zum Meinungsaustausch über die Bildungs- und Informationstechnologie ein. Diskutiert werden soll unter anderem, wie sich Bildung und der Umgang mit Wissen in Zeiten von globalisierten Märkten als Wettbewerbsvorteile durchsetzen können. Auch für die digitale Aus- und Weiterbildung in den Unternehmen will die dreitägige Learntec nach Angaben der Veranstalter Lösungen vorstellen.

Für Kosten zwischen 880 Euro für die einfache Version und bis hin zu 6500 Euro kann zum Beispiel der mausgestützte PC-Bildschirm aus Nürnberg die gute alte Tafel im Klassenzimmer ablösen. "Der Lehrer muss sich künftig allerdings über seine Software auf den Unterricht und das kreidelose Schreiben vorbereiten", meint Systemberater Thomas Nürnberg von der edding Vertrieb GmbH.

Ebenfalls im Learntec-Angebot: Online-Sprachkurse, die nach Angaben des Münchner Unternehmens digital publishing vor allem von der Automobilindustrie, Banken und Versicherungen genutzt werden – offenbar mit Erfolg: "Die Sprachtrainings haben eine Abbrecherquote von sechs Prozent, Kurse herkömmlicher Art dagegen von 35 bis 40 Prozent", meint Firmensprecherin Kirsten Warweg. Neben traditionellen Sprachen wie Spanisch und Englisch bieten die Münchner bald auch Wienerisch und Schweizerdeutsch von prominenten Lehrern an: den Kabarettisten Josef Hader und Emil Steinberger.

Nach einer in Karlsruhe vorgestellten Studie setzen Unternehmen zunehmend auf die Bereitschaft von Mitarbeitern, sich auch über elektronische Medien weiterzubilden. Grundsätzlich hätten mehr als die Hälfte der befragten 90 Unternehmen angegeben, ihre Bildungsbudgets vergrößern zu wollen, sagte Prof. Sabine Seufert von der Universität St. Gallen in der Schweiz. "Das ist eine gute Nachricht", meinte sie. Bislang habe sich die Wirtschaft stets schon zufrieden gezeigt, wenn die Budgets auf demselben Stand blieben. Wenig wagen wollen die Firmen dagegen beim Lernen in der virtuellen Welt.

Dagegen fehlt es nach Ansicht von Learntec-Gründer Prof. Winfried Sommer trotz des Angebots am deutlichen Interesse von Unternehmern und ihren Mitarbeitern: "Die Akzeptanz des elektronischen Lern- und Lehrangebots ist bei uns nach wie vor nicht so groß wie in anderen Ländern", meint Sommer. Es herrsche in Deutschland noch eine Tradition, in der das organisierte Lernen vorausgesetzt wird. "Man ist es gewohnt, dass alles angeboten wird", meint Sommer. Gefordert sei aber zunehmend das eigenverantwortliche Lernen. Für den Software-Riesen IBM findet dessen Wissensmanager Peter Schütt deutliche Worte: "Jeder Mitarbeiter ist selbst verantwortlich, einen Wert für sein Unternehmen und für den Kunden darzustellen", betont der IBM-Manager, dessen Unternehmen nach Angaben Schütts im Jahr 2006 für die Weiterbildung von Mitarbeitern rund 600 Millionen Euro ausgegeben hat. Er forderte die Wirtschaft auf, mehr Seminare zum E-Learning für die steigende Zahl älterer Beschäftigter anzubieten.

Insgesamt zeigen rund 220 Learntec-Aussteller aus acht Nationen, die vor allem aus der Softwarebranche kommen, auf der Fachmesse ihre Trends und neuen Produkte. Eingeladen sind zudem 270 Referenten. Der Geschäftsführer der Messe- und Kongress-GmbH, Gerald Böse, erwartet rund 7000 Fachbesucher. (Martin Oversohl, dpa) / (jk)