Günstiger Hörtest für Babys

Ein Wissenschaftler aus Indien hat ein billiges Verfahren entwickelt, mit dem Kinder gleich nach der Geburt auf Hörschäden untersucht werden können.

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In modernen Krankenhäusern gehört ein Hörtest nach der Geburt zur Standardversorgung. Doch in vielen armen Gebieten Indiens fehlt das Geld für die nötigen Messapparate. Deshalb hat der indische Elektroingenieur Nitin Sisodia das günstige mobile Gerät "Sohum" entwickelt, das sich auch ohne medizinische Kenntnisse bedienen lässt, berichtet Technology Review in seiner aktuellen Ausgabe.

Damit will er die Kinder vor den fatalen Folgen einer späten Diagnose bewahren. Denn oft wird das Problem erst nach Jahren erkannt, dann aber lernen die Kleinen oft nicht mehr sprechen, leiden an Entwicklungsstörungen – und finden als Erwachsene keine Arbeit.

Sohum besteht aus einem futuristisch aussehenden Kopfhörer mit integrierten Elektroden und einem kleinen Touchscreen. Für die Messung spielt der Kopfhörer eine Folge von Klickgeräuschen ab. Ob das Baby sie wahrgenommen hat oder nicht, liest der Apparat anschließend aus der elektrischen Aktivität des Gehirns heraus. Zwei Messpunkte für die Elektroden liegen am Schädelknochen hinter den Ohren, ein dritter auf der Stirn. Nach nur wenigen Minuten meldet der Monitor dann entweder, dass alles in Ordnung ist – oder empfiehlt, das Baby zu einem Facharzt zu bringen und genauer untersuchen zu lassen.

Laut Sisodia soll Sohum nur einen Bruchteil des Preises bisheriger Messgeräte kosten, die bis zu 26000 Dollar teuer sind. Da aber selbst wenige Tausend Dollar immer noch viel Geld für kleine medizinische Versorgungszentren auf dem Land wären, will der Ingenieur seine Geräte auch auf Provisionsbasis vermieten. Auf diese Weise könnte jeder medizinische Mitarbeiter zum Kleinunternehmer werden. "Sie erhalten einen Festanteil der Untersuchungskosten, die ein bis zwei Dollar betragen", erklärt Sisodia. Das mobile System kann darüber hinaus praktisch überall eingesetzt werden: Bei Hausbesuchen ebenso wie im Rahmen von Impfkampagnen und sogar bei Kulturveranstaltungen. (bsc)