Beratungen über Jobabbau bei Siemens

Die Konzernleitung hat den Wirtschaftsausschuss mit Arbeitnehmer- und Arbeitsgebervertretern über die geplanten Stellenstreichungen informiert. Heute will Konzernchef Peter Löscher die Pläne offiziell bekannt machen.

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Die Siemens-Unternehmensführung hat den Wirtschaftsausschuss des Konzerns gestern über sein Stellenstreichungsprogramm informiert. Siemens-Chef Peter Löscher will die Pläne heute offiziell bekannt geben, berichtet die Süddeutsche Zeitung. Insgesamt sollen 17.000 Stellen weltweit betroffen sein, in Deutschland könnten bis 2010 mehr als 6000 Arbeitsplätze wegfallen, wie Ende Juni bereits bekannt wurde.

"Die Stimmung ist sehr angespannt", sagte Siemens-Aufsichtsrat Dieter Scheitor von der IG Metall laut dem Zeitungsbericht. Der 20-köpfige Wirtschaftsausschuss, ein Gremium aus Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretern tagt heute auch noch. Über eine Reaktion auf die vom Konzern geplanten Einschnitte werde der 74-köpfige Siemens-Gesamtbetriebsrat voraussichtlich bei einem Treffen am 22. Juli beraten.

Der Siemens-Aufsichtsrat hatte bereits im November 2007 einen radikalen Konzernumbau abgesegnet. Ziel ist es, ab 2010 10 Prozent oder 1,2 Milliarden Euro der bisherigen jährlichen Vertriebs- und Verwaltungskosten einzusparen. Die Maßnahmen, die Löscher heute verkünden wolle, seien eine konsequente Umsetzung der neuen Konzernstrategie, schreibt NZZ Online, die schon von Löschers Vorgänger Klaus Kleinfeld seit Anfang 2005 eingeleitet worden sei.

Der Stellenabbau sei weniger spektakulär, als er auf den ersten Blick wirken möge, kommentiert NZZ Online: "Setzt man die Zahlen in Relation zu den 400.000 Mitarbeitern, die Siemens in den fortzuführenden Bereichen beschäftigt, sind es weniger als 5 Prozent des Gesamtpersonals und wohl weniger als die natürliche Fluktuation eines Jahres." Außerdem solle der Abbau möglichst sozialverträglich und in Deutschland wohl weitgehend ohne betriebsbedingte Kündigungen ablaufen.

Arbeitnehmervertreter sehen das offenbar anders. Sie hatten bereits in den vergangenen Tagen ihren Widerstand gegen die Stellenstreichungspläne angekündigt und notfalls auch mit Streik gedroht. "Ein Arbeitskampf ist möglich", sagte Siemens-Gesamtbetriebsratschef Ralf Heckmann der Süddeutschen Zeitung. Erst nach den Beratungen im Wirtschaftsausschuss werde der Betriebsrat entscheiden, ob verhandelt werde oder nicht. Auch rechtliche Schritte müssten geprüft werden, sagte Heckmann demnach. Zuvor hatte bereits der Vorsitzende des Siemens-Europabetriebsrates, Werner Mönius, einen Streik ins Gespräch gebracht und die Jobabbau-Pläne als völlig überzogen kritisiert. (anw)