Algorithmen sparen Strom
US-Ingenieure haben eine spezielle Software entwickelt, mit deren Hilfe allein die Betreiber von Server-Farmen deren Energieverbrauch um 35 Prozent senken können.
Es war einmal eine Hoffnung: Die weltweite Vernetzung könnte dazu beitragen, den Verbrauch von Ressourcen und Energie zu senken, weil manche Prozesse – wie etwa das Versenden eines Briefs – entstofflicht werden. Doch als in den vergangenen Jahren genauer hingeschaut wurde, zeigte sich, dass die vielen Rechenzentren der digitalen Welt selbst enorm viel Energie verschlingen. Seitdem wird nach Ideen für "grüne Rechenzentren" gesucht. Eine präsentieren nun Forscher des MIT und der Bell Labs von Alcatel-Lucent, berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe: Mit Hilfe spezieller Algorithmen könnten die Betreiber von Server-Farmen deren Energieverbrauch um 35 Prozent senken. "Dieser Ansatz ist kein Allheilmittel, aber doch erheblich", sagt Bell-Labs-Forscherin Emina Soljanin. Die Lösung lasse sich recht rasch kommerzialisieren, weil es sich um einen reinen Software-Fix handele.
Die Einsparung rechnet sich auch: Laut Muriel Médard vom Research Laboratory of Electronics am MIT könnten Betreiber pro Jahr 2,8 Millionen Dollar Energiekosten sparen, über die durchschnittliche Lebensdauer eines Rechenzentrums insgesamt sogar 18 Millionen Dollar. Médard leitete das Forschungsprojekt und nahm selbst die Kostenanalyse vor.
Die Lösung der Forscher setzt bei den verteilten Speichern von Rechenzentren an, so genannten Storage Area Networks. In ihnen werden enorme Datenmengen redundant vorgehalten: Vor allem von Videodaten werden etliche Kopien gespeichert, um Nutzern bei Streaming- und Download-Angeboten einen schnellen Service bieten zu können. Einige Rechenzentren können so mehrere Millionen Videoanfragen gleichzeitig verarbeiten.
Das neue Verfahren, "Network Coding" genannt, verringert die Redundanz, ohne die reibungslose Bereitstellung der Daten zu beeinträchtigen. Algorithmen verwandeln dabei die Daten etwa eines Videos in eine Reihe mathematischer Funktionen. Die werden dann bei einem Aufruf ausgeführt, und vollständige Datenkopien sind in dieser Form der Bereitstellung nicht nötig.
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(bsc)