Die Angst der Datenkrake
Warum ist Google dafĂĽr, privat betriebene Drohnen zu verbieten?
Warum ist Google dafĂĽr, privat betriebene Drohnen zu verbieten?
Eric Schmidt mag keine Drohnen. Der "Executive Chairman" von Google – laut Eigendarstellung repräsentiert er „das Unternehmen nach außen" – hat sich laut "Guardian" dafür ausgesprochen, den Betrieb von privaten Drohnen in den USA zu verbieten.
Das hat mich auf den ersten Blick dann doch verblüfft. Der Mann steht schließlich an der Spitze eines Unternehmens, das als größte Datenkrake der Welt gilt. Ein Unternehmen, dass mal eben fast die ganze Welt mit seinen Kamera-Fahrzeugen erfassen ließ – und dabei zahlreiche WLAN-Netze gleich mit ausgeforscht hat. Da kann man eigentlich von einer positiven Haltung zur Informationstechnologie ausgehen.
Normalerweise wäre der erste Reflex, den ich von einem Google-Vertreter zum Stichwort Drohnen erwarten würde, schrankenlose Begeisterung. Schließlich bieten die Dinger ohne Ende Chancen. Aber jetzt macht Schmidt sich Sorgen, dass diese Technologie zu einer "Demokratisierung der Kriegführung" führen wird. Wird der Durchschnitts-Amerikaner mit Drohnen tatsächlich mehr Schaden anrichten, als seine Regierung? Immerhin hat die US-Regierung im vergangenen Jahr 2772 Menschen bei Drohnenangriffen getötet. Eric Schmidt weiß das sicherlich. Schließlich berät er den Präsidenten in Technologiefragen.
Oder geht es mehr um das Szenario, dass Daniel Suarez in "Kill Decision" entworfen hat: Die Drohne als anonymisierte Waffe, hinter der genausogut ein Terrorkommando stecken kann, wie ein wildgewordener Geheimdienst oder die Waffenindustrie? Das wäre in der Tat beängstigend. Sogar für einen Datenriesen wie Google. Was weiß Eric Schmidt, das wir nicht wissen?
Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass auch der für Rüstungsfragen zuständige Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium Schmidt heißt. Allerdings nicht Eric, sondern Christian. Denn Christian Schmidt ist ganz entschieden für bewaffnete Drohnen. Jedenfalls solange sie in den richtigen Händen sind. Und dazu zählt auf jeden Fall die Bundeswehr. Denn die will bewaffnete Drohnen vor allem zum Schutz der eigenen Soldaten im Gefecht oder bei gefährlichen Operationen einsetzen. "Es braucht da keiner Sorgen zu haben, dass da irgendwelche James-Bond-Operationen stattfinden", zitiert die Nachrichtenagentur dpa den Staatssekretär. "Das wird es nie mit der Bundeswehr geben." Dann können wir ja alle beruhigt sein, oder? (wst)