Navigation über Leuchtstoffröhren

US-Forscher arbeiten an einem neuartigen Krankenhausleitsystem für Menschen mit Hirntraumata.

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US-Forscher arbeiten an einem neuartigen Leitsystem, das Patienten mit Gehirnschädigungen bei ihrem Klinikaufenthalt helfen soll. So können etwa Unfallopfer mit Hirntraumata, die einzelne Gedächtnisfunktionen neu lernen müssen, sich trotzdem selbstständig durch ein Hospital bewegen. Interessant an der Technik, die das Start-up Talking Lights aus Boston entwickelt hat, ist vor allem die Art der Positionsbestimmung, berichtet das Technologiemagazin Technology Review in seiner Online-Ausgabe. Dabei werden ganz normale elektrische Leuchtstoffröhren eingesetzt, die mit einem technischen Trick als eine Art "Funkfeuer" dienen, das von Sensoren ausgelesen werden kann.

Mit Hilfe einer Vorschaltelektronik wird dabei ein für das menschliche Auge nicht sichtbares Flackern aufmoduliert, das eine eindeutige Signatur darstellt. Patienten am Spaulding Rehabilitation Hospital, die an dem Feldversuch teilnehmen, tragen eine Weste mit einem optischen Empfänger, der in die Schulter eingenäht wurde. Dieser ist wiederum an einen Palmtop-Rechner angeschlossen, der in der Tasche der Weste steckt. Eine Datenbank mit einer Karte des Gebäudes ist in dem Minicomputer gespeichert – sie enthält alle Leuchten samt ihrer Signaturen. Die Software auf dem Palmtop berechnet aus dem sich am nächsten befindlichen "Funkfeuer" dann die Nutzerposition. Basierend auf dieser und einem vorher im Palmtop abgelegten Ablaufplan spielt das Gerät dann Audiohinweise mit Richtungsangaben ab.

Eine typische Sequenz, die auf Wunsch auch von der Stimme von Angehörigen gesprochen wird, hört sich dann beispielsweise so an: "Katie, begebe Dich in den Fitnessraum. Gehe dazu durch diese Doppeltür." Nimmt der Nutzer aber den falschen Weg, ertönt sofort eine Korrektur: "Du gehst in die falsche Richtung. Laufe zurück am Fotokopierer vorbei und dann nach rechts." Informationen zu allen festen Gegenständen, die sich in der Nähe jeder Leuchtstoffröhre befinden, lassen sich innerhalb eines Tages in eine globale Datenbank eintragen, sagt Daniel Taub, Ingenieur bei Talking Lights. Im Versuch ergab sich, dass Patienten sich auch später im realen Leben selbstständiger bewegten – offenbar hilft das Training mit dem Gerät, Gehirnfunktionen neuerlich zu schulen.

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(bsc)