Streit um Regulierung persönlicher Gentests

Der US-Bundesstaat Kalifornien will gegen "Personal-Genomics"-Firmen durchgreifen, darunter auch das Google-Investment 23andMe.

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Der Bundesstaat Kalifornien macht Ernst: 13 Anbieter aus dem Geschäftsfeld der "Personal Genomics", dem boomenden Business mit DNA-Analysen für Endkunden, erhielten Mitte Juni einen bösen Brief. Darin stand, dass sie doch bitte nachweisen sollten, dass sie sich mit ihren über das Internet angebotenen Untersuchungen innerhalb kalifornischen Rechts bewegen. Noch wichtiger: Sie müssen beweisen, dass Ärzte diese Tests für die Besteller verschrieben haben – was in den wenigsten Fällen tatsächlich so abgelaufen sein dürfte.

Dieses erste staatliche Eingreifen der Kalifornier ist nur ein kleiner Hinweis darauf, welche regulatorischen Kämpfe der schnell wachsenden Industrie nun bevorstehen, berichtet das Technologiemagazin Technology Review in seiner Online-Ausgabe. Die persönlichen Gentests haben sich seit vergangenem Jahr in den USA zum regelrechten Hype entwickelt. Die Anbieter bedienen sich einer Flut von Studien, die spezifische genetische Variationen mit der Neigung zu bestimmten Krankheiten in Verbindung bringen. Außerdem ist die Technik, mit denen sich diese Variationen nachweisen lassen, in letzter Zeit deutlich billiger geworden, sodass es sich lohnt, mit den Untersuchungen direkt an Konsumenten heranzutreten.

Mit dem Boom der Gentests wurde aber auch eine Debatte darüber losgetreten, wie diese persönlichen genetischen Informationen verwendet werden dürfen – und welchen Regulierungsbedarf es gibt. Die Diskussion schließt die zentrale Frage ein, wie sich dieser neue Typ medizinischer Informationen, den man im Gegensatz zu Risikofaktoren wie Cholesterinspiegel oder Blutdruck im klinischen Alltag noch kaum als Diagnosemittel einsetzen kann, überhaupt einordnen lässt. Klar ist nur: persönlichkeitsbezogener geht es kaum.

"Die aktuelle Situation erinnert mich an Napster", meint Steven Murphy, Arzt und Gründer von Helix Health, einer New Yorker Praxis, die sich auf personalisierte Medizin spezialisiert hat. "Die Firma schuf damals eine Technik, mit der man Musik sehr einfach via Internet tauschen konnte. Das änderte für die Plattenindustrie fast alles. Und auch hier war die Regierung nicht darauf vorbereitet, damit umzugehen." Ähnlich wie beim Kampf um Napster sehe er einen Krieg aufziehen.

23andMe, ein Start-up, in das auch Google investiert hat, versucht der Kritik aus dem Weg zu gehen, indem das Unternehmen betont, man biete Gentests auch aufgrund ihres Unterhaltungswertes an – etwa zur Ahnenanalyse oder zum Vergleich des eigenen Genoms mit dem von Freunden und Familie. Dennoch bietet das Unternehmen auch diverse medizinisch relevanten Untersuchungen und hat die üblichen Risikoanalysen parat.

"Auf der einen Seite hilft die Argumentation, es handele sich nicht um eine medizinische Diagnose, den Firmen dabei, die natürlichen Einschränkungen dieser Informationen ihren Kunden gegenüber darzulegen", meint Amy McGuire, Medizinethikerin am Baylor College of Medicine in Houston. Die meisten Ärzte würden im Kontext ihrer Praxis solche Tests einfach nicht bestellen, meint sie. "Egal was man sagt, die Kunden werden die erhaltenen Informationen nur falsch interpretieren. Sie sehen sie immer als medizinisch relevant an." Dabei sei genau das höchst umstritten.

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(bsc)