Genf sichert Wahldaten mit Quantenkryptographie ab
Forscher bauen verschlĂĽsselte Glasfaserverbindung zwischen zwei Wahlzentren zur Schweizer Nationalratswahl am 21. Oktober auf.
Am 21. Oktober wird in der Schweiz über die große Kammer des Berner Parlaments, den Nationalrat, abgestimmt. Viel Beachtung auch im Ausland erhält die Wahl vor allem deshalb, weil es im Vorfeld politisch mehr als turbulent zuging. Aber auch die IT-Wissenschaftswelt dürfte sich für den Urnengang der Eidgenossen interessieren, berichtet das Technologiemagazin Technology Review in seiner Online-Ausgabe. Der Grund: In Genf werden Wissenschaftler der örtlichen Universität erstmals zwei Wahlzentren über Glasfaser miteinander verbinden und die darüber laufenden Daten dann mit einem quantenkryptographischen Verfahren verschlüsseln. "Es ist meines Wissens nach das erste Mal weltweit, dass eine Organisation nicht nur Quantenkryptographie testet, sondern die Technologie tatsächlich zur Absicherung echter, wertvoller Daten verwendet", sagt Gregoire Ribordy, Direktor der id Quantique SA, einem Spin-off der Universität Genf, das die verwendete Technologie kommerziell entwickelt hat.
Das geplante Set-up ist allerdings recht klein: Ein gewöhnliches Glasfaserkabel hängt zwischen den vier Kilometer voneinander entfernt liegenden Stationen "Uni Mail", einem Abstimmungslokal, sowie der Datensammelstelle "Acacias". Die Wahlzettel werden zunächst von Hand nachgezählt, bevor die Ergebnisdaten dann über das Kabel auf die (kurze) Reise gehen. Die Quantenkryptographie kann als ideal für den Einsatzzweck gelten: Mit ihr lässt sich zweifelsfrei nachprüfen, ob Informationen auf dem Weg vom Sender zum Ziel verändert wurden. "Es geht uns dabei weniger um den Schutz vor der Einsicht von außen", sagt der zuständige Genfer Staatsrat Robert Hensler, "sondern darum, dass wir sicherstellen können, dass die Daten zwischen Eingabe und Speicherung nicht verändert wurden."
Der eingesetzte 1-Gigahertz-Quantenverschlüssler von id Quantique soll für den Nutzer völlig transparent arbeiten. Sollte der Einsatz in Genf wie geplant verlaufen, könnte die Wahlverschlüsselung Ausgangspunkt eines ganzen kleinen Quantennetzes werden. Innerhalb des so genannten "SwissQuantum"-Projektes soll in Genf ein Pilotnetzwerk entstehen, das die Forscher an der Uni Genf mit der Keimzelle des Internets in den USA vergleichen. Die Region Genf scheint dafür durchaus ideal: Hier sitzen wichtige Banken und Versicherungen mit hohem Sicherheitsbedürfnis.
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(bsc)