HP will produktnaher forschen
Der Computerkonzern krempelt seine 600 Mann starke Labor-Abteilung um und konzentriert sich verstärkt auf "Big Bets".
Schneller und marktnaher wollen die HP Labs, mit 600 Mitarbeitern und sieben Standorten weltweit eine der größten Forschungsabteilungen im IT-Segment, künftig arbeiten. Dazu wurde die Anzahl der wissenschaftlichen Projekte reduziert und die Zusammenarbeit mit den Produktabteilungen verstärkt. Als "Downsizing" sei das aber nicht zu verstehen, betont HP Labs-Direktor Prith Banerjee. Im Interview mit dem Technologiemagazin Technology Review sagte er, weder habe man vor, Mitarbeiter zu entlassen, noch seien Mittel gekürzt worden. "Wir haben noch immer die gleiche Anzahl an Forschern und auch das gleiche Budget zur Verfügung." Der neue Ansatz sehe vor allem vor, dass HP künftig größere Wetten auf die Zukunft abschließt, also einzelne größere Projekte angeht statt vieler kleiner. 26 dieser "Big Bets" seien zunächst vorgesehen. Gleichzeitig werde der Technologietransfer beschleunigt.
Insgesamt fünf Themengebiete hat Banerjee hierzu identifiziert: Dynamische Dienste im Netz, sprich Cloud Services, die "Information Explosion", also der Umgang mit immer größeren Datenmengen, die Transformation in der Inhalteindustrie, intelligente Infrastrukturen sowie der Bereich "grüne IT". "Durch die Konzentration auf insgesamt 26 große Wetten fühlen wir uns besser positioniert, die Probleme unserer Kunden schneller zu lösen und das dann in mehr Wachstum für HP umzumünzen", sagte Banerjee. Neben der Themensetzung soll auch die Entscheidungsfindung verändert werden, wo geforscht wird. Statt wie bisher mit einzelnen Forschungsmanagern zu arbeiten, sollen Kommissionen über die Richtung entscheiden. "Ich habe einen Peer-Review-Prozess eingeleitet, der dem an Universitäten gleicht. Wir bitten die Forscher, Projektvorschläge einzureichen, die einen großen Einfluss auf HPs Entwicklung haben könnten. Diese Vorschläge werden dann von einem Board begutachtet, das aus HP-Lab-Direktoren, hochrangigen Technikverantwortlichen, den CTOs einzelner HP-Abteilungen und Repräsentanten aus den Produktbereichen besteht." Er selbst schaue zuletzt auf jedes Projekt.
Das ganze Interview mit Banerjee in Technology Review online:
(bsc)