Gentest für Depressions-Therapie
Ein Gentest könnte künftig schon vor einer Behandlung darüber Auskunft geben, ob Patienten auf Antidepressiva ansprechen – und wenn ja, wie gut.
- Veronika Szentpetery
- Dr. Wolfgang Stieler
Ein Gentest könnte künftig schon vor einer Behandlung darüber Auskunft geben, ob Patienten auf bestimmte Antidepressiva ansprechen – und wenn ja, wie gut. "Mit unseren Ergebnissen zum ABCB-1 Gen kommen wir einer personalisierten Therapie für die Depression einen weiteren Schritt näher", sagt Professor Florian Holsboer, Direktor des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie, im Interview mit Technology Review.
Holsboer und seinen Mitarbeitern am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München gelang vor kurzem der Nachweis, dass der Erfolg oder Misserfolg des Antidepressivum-Transports durch die Blut-Hirn-Schranke von dem Gen ABCB-1 abhängt. Das dazugehörige P-Glykoprotein fungiert gleichsam als Türsteher für Medikamente. Die Münchener konnten im Maus-Modell nachweisen, dass einzelne Antidepressiva wie Citalopram, Paroxetin, Venlafaxine und Amitriptylin vom P-Glykoprotein transportiert werden, während andere Antidepressiva wie Mirtazapine nicht durchgelassen werden. Zudem fanden die Forscher heraus, dass bestimmte Punktmutationen des ABCB-1-Gens das Protein so verändern, dass es die Antidepressiva doch nicht oder nur in zu kleinen Mengen ins Gehirn durchlässt.
Im TR-Interview erklärt Holsboer, wie Wissenschaftler inzwischen gezielt im Reich der Gene und der Molekularbiologie nach Ursachen und wirksameren Behandlungsmöglichkeiten für Depressionen suchen: "Die klinische Diagnose wird in der Psychiatrie immer noch ausschließlich auf der Grundlage verbal zugänglicher Informationen gewonnen. Wofür ich mich seit langem einsetze, sind objektivierbare Laborbefunde, die aus den klinischen Neurowissenschaften mit hoher Genauigkeit gewonnen werden können, in die Diagnostik zu integrieren." Viele unter einer schweren Depression leidenden Menschen verzweifeln bei den oft Wochen langen Versuchen, ein für sie wirksames Medikament zu finden. Dabei ist die Aussicht auf Erfolg bislang gering: die quälende Versuch-und-Irrtum-Strategie führt nur bei etwa 30 Prozent der Patienten zu einer vollständigen Heilung.
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(Veronika Szentpetery) / (wst)