Microsofts ecoDrive soll umweltschonendes Fahren unterstützen
Der Software-Multi zeigt in Hannover ein neues Automotive-System, bei dem Fahrdaten über den CAN-Bus ausgelesen und anschließend auf einen USB-Stick kopiert werden können. Am Computer lässt sich mit ecoDrive dann das Fahrverhalten analysieren.
Die voll auf Umweltthemen setzende Firma Microsoft stellt auf der CeBIT wie zeitgleich auf dem Genfer Automobilsalon ein System vor, mit dem jedermann sein Fahrverhalten analysieren kann. Erster Nutzer des ecoDrive genannten Produkts von Microsoft Automotive ist Fiat.
Vor einem Jahr waren Fiat und Alfa Romeo die ersten, die ein Angebot auf der Basis von Microsoft Automotive vorstellten. Blue & Me, die Mischung aus Telefon- und Multimedia-Center für den modernen Automobilisten, hat sich mittlerweile zu einem rechten Erfolgsschlager entwickelt. Wie Achim Berg, der Chef von Microsoft Deutschland auf der CeBIT-Pressekonferenz bekannt geben konnte, werden 80 Prozent aller vorbestellten Fiat 500 mit Blue & Me ausgeliefert.
Mit ecoDrive kommt nun die nächste Neuerung auf die Ausstattungsliste. Dabei werden über den CAN-Bus anfallende Fahrdaten eines Fiats gesammelt. Der Fahrer oder Fahrzeughalter kann diese Daten über einen USB-Anschluss in der Mittelkonsole auf einen handelsüblichen Speicherstick laden und dann auf seinen Computer kopieren. Dort werden die Daten von der ecoDrive-Software unter Windows zu einer Art Fahrbericht kompiliert. Der Nutzer kann so den Spritverbrauch wie auch den CO2-Ausstoß jeder einzelnen Fahrt analysieren. Anschließend gibt die Software Empfehlungen, mit welcher Fahrweise (frühes Schalten, kein Ausdrehen der Gänge) ein Fahrer noch umweltbewusster unterwegs sein kann. Das Angebot soll sich dem Fahrzeugtyp entsprechend vor allem an Fahranfänger richten.
Zur Sicherheit des Systems und zur Frage, wer die Daten auslesen kann, gab es auf der CeBIT die Auskunft, dass die Daten in einem proprietären Format vorlägen. Sie könnten zwar ohne Probleme auf einen beliebigen USB-Stick und dann auf die Festplatte wandern, doch müsse der USB-Stick dem System vorab bekannt sein. Standardmäßig soll ein USB-Stick mit dem Autoschlüssel ausgeliefert werden, der auch die nötige, von einem Fiat-Partner entwickelte Software enthält. Technisch ist es so durchaus möglich, dass ein besorgter Vater die Fahrdaten seines Nachwuchses überprüft.
Das Konzept unterscheidet sich damit gravierend von der bewusst datensparsamen Lösung, die Hewlett Packard und logix-tt unter dem Namen Young & Safe für die baden-württembergische Versicherung WGV entwickelt haben. Bei dieser mit einer OBU (On Board Unit), einem iPAQ und der PKI-Verschlüsselung arbeitenden Lösung wird nicht der Benzinverbrauch, sondern der Fahrstil von jugendlichen Fahrern analysiert. Dabei erfährt die Versicherung nur in Form von gesammelten "Mahnpunkten", ob ein Versicherter zu schnell gefahren ist. Fahrtechnische Einzeldaten aus der OBU lassen sich nur vom Versicherten abrufen, der diese Daten mit seinem Private Key entschlüsseln kann.
Während das neue ecoDrive vorerst nur bei Fiat zum Einsatz kommt, hat Microsoft mit Lancia und Ford weitere Kunden für seine Entertainmentlösungen gefunden. Lancia bietet den neuen Lancia Delta mit Blue & Me beziehungsweise der Navigationslösung Blue & Me Nav an, Ford die gemeinsam mit Microsoft entwickelte Variante Ford Sync im amerikanischen Ford Focus. Eine Million Ford-Fahrzeuge sollen bis Anfang 2009 mit dieser Technik arbeiten.
Als weiteren Partner präsentiert Microsoft auf der CeBIT den Automobilzulieferer Continental, dessen Tochterfirma VDO Automotive am Stand von Microsoft einen Prototyp seiner "Multimedia Platform" (MMP) zeigt, mit der High-End-Multimedia ins Auto wandern soll. Kern von MMP sind Multiprozessorsysteme, bei denen Automobil- und Unterhaltungstechnik strikt getrennt sind. (Detlef Borchers) / (pmz)