Rezepte für eine bessere Brille

Seit die Google Glass unter Testern die Runde macht, kochen die Emotionen hoch. Einig waren sich die meisten nur darin, dass kaum einer 1500 Dollar für ein Modell mit dieser Ausstattung zahlen würde. Doch mit der nächsten Generation der Datenbrille dürfte sich das ändern. Unser Blick in die Labore zeigt, was kommt.

vorlesen Druckansicht
Lesezeit: 3 Min.

Seit Google Glass unter Testern außerhalb des Datenkonzerns die Runde macht, kochen die Emotionen hoch: Die Bewertungen der Explorer Edition schwanken zwischen „Überwachungsinstrument“ über „Zukunftstechnologie“ bis „unausgereift“. Einig waren sich die meisten nur darin, dass kaum einer 1500 Dollar für ein Modell mit der jetzigen Ausstattung auf den Tisch legen würde. Doch mit der nächsten Generation der Datenbrille dürfte sich das ändern. Unser Blick in die Labore zeigt, was kommt.

„Datenbrillen bringen Augmented Reality auf ein ganz neues Level“, sagt Martin Herdina, CEO des österreichischen Augmented-Reality-Pioniers Wikitude. Sein Vorstandskollege Andy Gstoll ergänzt: „Google Glass bringt einiges an Aufmerksamkeit für uns.“ Dabei unterstützt die Google-Brille derzeit gar keine Augmented Reality (AR) – also die Überlagerung der Wirklichkeit mit virtuellen Elementen. Noch muss sich ein Nutzer dazu ein Smartphone vor das Gesicht halten. Eine Datenbrille könnte Informationen zu U-Bahnen, Sehenswürdigkeiten oder Restaurants hingegen direkt ins Blickfeld projizieren.

„Es wird mit Sicherheit irgendwann so weit sein, dass die Brille AR unterstützt“, prophezeit Gstoll, dessen Firma in engem Kontakt zu den Google-Entwicklern steht. Die nötige Hardware hat die Brille bereits an Bord: Kamera, GPS, Kompass und Neigungssensor verraten dem Gerät, wohin der Nutzer gerade guckt.

Bisher kranken AR-Anwendungen allerdings oft daran, dass diese Sensoren nicht besonders präzise sind. Die virtuellen Beschriftungen von Gebäuden können deshalb schon bei kleinsten Bewegungen herumtanzen. Dieses Problem will das Münchener Unternehmen Metaio mit 3D-Modellen und Bilderkennung angehen. Die 3D-Daten stammen von Google, das bei seinen StreetView-Fahrten nicht nur Fotos, sondern auch Laserscans der Straßenzüge gemacht hat. Anhand dieser Vorlage soll die Metaio-Software aus jeder Perspektive ermitteln können, welches Gebäude sie vor der Linse hat – und es mit Beschriftungen versehen, die wie angenagelt am Ort bleiben. So lassen sich bei einer Hotelfront beispielsweise präzise die Fenster der freien Zimmer markieren.

Diese Form der Bilderkennung läuft bisher auf dem Grafikchip von Smartphones, ist jedoch äußerst rechenintensiv und braucht viel Strom. Für die Google-Brille mit ihrer winzigen Batterie wäre diese Methode kaum geeignet. Metaio hat einen speziellen AR-Chip entwickelt, der laut Firmenangaben rund 60-mal schneller und sehr viel sparsamer ist. In Kürze soll das erste Handy mit eingebautem AR-Chip auf den Markt kommen – Details nennt die Firma nicht. „Der Chip wird für die AR die gleiche Bedeutung haben wie Grafikkarten für die Computerspiele“, verspricht Sascha Kiener, Key-Account-Manager von Metaio. Damit rückt auch die AR-Brille ein Stück näher. (grh)