Unsichtbares Vollimplantat unter dem Ohr

Mehrere Firmen arbeiten an Hörhilfen, die ganz unter der Kopfhaut verschwinden.

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Wer schlecht hört und deshalb eine Hörhilfe benötigt, lebt mit einem ständigen Kompromiss: Die Geräte werden zwar immer kleiner, doch sitzen sie außen am Ohr und bleiben empfindlich, sodass man beispielsweise beim Sport eingeschränkter agiert als gesunde Menschen. Die Alternative sind so genannte Vollimplantate, bei denen alle Komponenten in einer Operation unter die Haut verpflanzt werden. Erste Geräte werden derzeit von den Gesundheitsbehörden getestet. Der Autor Michael Chorost, der selbst ein Cochleaimplantat trägt, das nicht ohne externe Komponenten auskommt, hat sich über den aktuellen Stand der Technik informiert. In einem Beitrag für die Online-Ausgabe des Technologiemagazins Technology Review beschreibt er den Ansatz des US-Anbieters Otologics, der bereits erste Referenzkunden in Deutschland betreut. Das Implantat namens "Carina" besteht aus mehreren Komponenten, die allesamt "unsichtbar" untergebracht werden können.

Der erste Teil der Hörhilfe, das Mikrofon, sitzt hinter dem Außenohr. Seine Empfindlichkeit fällt um den Faktor 10 geringer aus als bei herkömmlichen Modellen, weil es unter der Haut begraben liegt – um dies zu kompensieren, besitzt das Otologics-Produkt eine deutlich größere Oberfläche als Mikrofone herkömmlicher Hörhilfen. Das aufgenommene Signal wird dann an die größte Komponente weitergeleitet, die so genannte Verarbeitungseinheit. Deren Hülle enthält auch eine wiederaufladbare Lithium-Ionen-Batterie. Dieses Laden geschieht mit der dritten Komponente, einer induktiven Spule. Ein bis zwei Stunden pro Tag muss man dazu eine kleine Komponente an den Kopf anlegen, die die Energie drahtlos überträgt. Da sowohl Spule als auch Ladekomponente Magnete enthalten, bleiben sie auch durch die Haut hindurch vereint, was das Tragen nicht ganz so unangenehm macht.

In den USA wird der Ansatz derzeit in klinischen Tests überprüft – dabei stellte sich heraus, dass das Implantat für den Träger durchaus mit externen Hörhilfen mithalten kann, obwohl die Tonqualität noch nicht ganz auf diesem Stand ist. Billig ist die Technologie nicht: 20.000 Dollar sind pro Ohr fällig. Außerdem müssen große Teile von "Carina" alle fünf bis zehn Jahre ausgetauscht werden, wenn ein Batteriewechsel ansteht. Die Operation selbst ist ebenfalls aufwendig. Chorosts persönliches Fazit: Er würde zugreifen, sobald bestätigt ist, dass der Ansatz keine gesundheitlichen Nachteile hat. Noch wird "Carina" allerdings nicht für Patienten angeboten, die ein Cochleaimplantat benötigen.

Der ganze Beitrag in Technology Review online:

(bsc)