Wem gehört das Netz?
Die Diskussion um die Drosselungspläne der Telekom hat eine alte Frage wieder hoch gespült: Wem gehört eigentlich das Internet?
Die Diskussion um die Drosselungspläne der Telekom hat eine alte Frage wieder hoch gespült: Wem gehört eigentlich das Internet?
Ich weiß, die Frage klingt naiv. Und der erste Reflex darauf ist, diese Frage als sinnlos zu verwerfen, weil es „das Internet“ als Ganzes gar nicht gibt. Schon klar, wenn ich bei der Telekom einen Internetzugang miete, bekomme ich erst mal nur Zugang zum Netz der Telekom.
Aber darüber hinaus habe ich auch Zugang zum ganzen Internet. Ein Netz aus Netzen, in dem jeder für jeden fröhlich Daten überträgt. Jedenfalls im Prinzip. Ich muss zugeben, ich habe die Ökonomie, die hinter dem Betrieb des Netzes steckt, bis heute nicht verstanden.
Aber damit befinde ich mich in guter Gesellschaft. Seitdem die Telekom AG verkündet hat, ab 2016 ab einer bestimmten Übertragungskapazität die Geschwindigkeit ihrer DSL-Zugänge zu drosseln, rätselt die halbe Netzgemeinde darüber, ob das gerechtfertigt ist. Die andere Hälfte ist damit beschäftigt, auf die Telekom zu schimpfen.
Für die Titelgeschichte der Juni-Ausgabe von TR, die diese Woche in den Handel kommt, habe ich Leute getroffen, die vielleicht eine Alternative zu dieser Ratlosigkeit in petto haben. Sie bauen und betreiben nämlich ihr eigenes Netz. Selbst finanziert, auf der Basis freiwilliger Zusammenarbeit, selbstorganisiert, selbstverwaltet, unkontrollierbar.
In Athen zum Beispiel, gibt es ein Netz mit bis zu 5000 Knoten, eigenen Suchmaschinen, Torrent-Trackern, VoIP-Servern, Streaming-Diensten und so weiter und so fort - verknüpft über schnelle Punkt-zu-Punkt WLAN-Verbindungen. Und im Großraum Barcelona gibt es ein selbstorganisiertes Netz mit - nach eigenen Angaben - bis zu 19.000 Knoten - betrieben von einer Initiative, die abgelegene Höfe in den Bergen mit selbst verlegten Glasfaser-Anschlüssen versorgen.
Das alles ist ein bisschen wie das Internet früher. „Rough consensus“ und „working code“, voneinander lernen, experimentieren, sich gegenseitig unterstützen - dann läuft das Netz schon irgendwie. Das kann den hochprofessionellen Betrieb kommerzieller Provider nicht ersetzen. Aber es bildet ein notwendiges Gegengewicht - ein Korrektiv der Marktmacht. Vielleicht. Aber einen Versuch wäre es schon wert. Auch hier in Deutschland. (wst)