USA stehen vor "Renaissance der Kernkraft"
Atomkommission NRC erwartet in diesem und im nächsten Jahr 20 Anträge auf den Bau neuer Meiler.
Ende September reichte der amerikanische Energiekonzern NRG Energy bei der zuständigen US-Atomkommission Nuclear Regulatory Commission (NRC) einen Antrag auf den Bau eines neuen Kernkraftwerkkomplexes ein: In Texas soll das so genannte "South Texas Project" um zwei zusätzliche Reaktoren erweitert werden. Bedeutsam ist dieser Vorgang vor allem deshalb, weil es sich um den ersten AKW-Bauantrag in Amerika seit fast 20 Jahren handelt – 1978 war der letzte gestellt worden. Die geplante 2700 Megawatt-Anlage ist nur der Anfang einer Entwicklung, die Experten als "Renaissance der Kernkraft in den USA" bezeichnen, wie das Technologiemagazin Technology Review in seiner Online-Ausgabe berichtet. Der NRC liegen laut eigenen Angaben insgesamt 19 weitere Projekte vor, die in diesem und im nächsten Jahr beantragt werden sollen – vier weitere noch 2007, der Rest dann 2008.
Die Gründe für den neuen AKW-Bauboom sind Branchenvertretern zufolge schnell erklärt: Sie sind nicht nur im zusätzlichen Strombedarf und dem Versuch, fossilen Energieträgern auszuweichen, zu finden, sondern vor allem im so genannten "Energy Policy Act", den die Bush-Administration 2005 verabschiedete. "Der Zweck dieses Gesetzes war es, die Revitalisierung der nuklearen Infrastruktur einzuleiten – und das tut es nun auch", sagt NRG-Firmensprecher Dave Knox. Das Unternehmen kann sich dank der neuen Gesetzgebung über satte Staatshilfen freuen: Von den Baukosten für die Anlage in Texas, die zwischen 5,4 und 6,8 Milliarden Dollar liegen, werden dank Regierungskrediten und Steuererleichterungen rund 80 Prozent vorsubventioniert.
Besonders innovativ zeigen sich die revitalisierten AKW-Bauer allerdings nicht: Bei den geplanten Reaktortypen handelt es sich zumeist nur um verbesserte Varianten altbekannter Anlagen. Das Problem, erklärte Knox, sei, dass sich gänzlich neue Technologien nur langsam zertifizieren ließen, weil sie nicht erprobt seien. Bürgerrechtler kritisieren unterdessen, dass die Atomkommission NRC mit den zahlreichen Anträgen womöglich überfordert ist. "Neue Reaktorlizenzen werden fast nur nach Terminplan und nicht nach Qualität bearbeitet", meint David Lochbaum, Atomsicherheitsexperte bei der "Union of Concerned Scientists" in Washington.
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(bsc)