Chip blendet Nebengeräusche beim Telefonieren aus
Ein US-Start-up hat einen Prozessor entwickelt, der die Verständlichkeit von Handy-Gesprächen verbessern soll.
Das US-Start-up Audience hat einen Chip für Mobiltelefone entwickelt, der eine große Zahl unterschiedlicher Hintergrundgeräusche herausfiltern kann, um die Sprachverständlichkeit zu erhöhen. Die kalifornische Firma konnte inzwischen 45 Millionen Dollar an Risikokapital einsammeln und wird in diesem Jahr ihr erstes fertiges Produkt vorstellen, berichtet das Technologiemagazin Technology Review in seiner Online-Ausgabe. Selbst laute Durchsagen auf Flughäfen und Bahnstationen sollen kein Problem darstellen, auch wenn der Nutzer in der Nähe eines Lautsprechers steht.
Audience-Gründer Lloyd Watts beschäftigt sich schon seit Jahren mit der Funktionsweise des menschlichen Hörapparats. Am California Institute of Techology und bei mehreren US-Firmen entwickelte er Computermodelle des Innenohrs. Auch die Arbeit der feinen Haarzellen, die die unterschiedlichen Geräuschfrequenzen wahrnehmen, konnte der Forscher so nachempfinden.
Diese Modelle wurden nun weiter verfeinert und zu Algorithmen umgeformt, die sich in Hardware umsetzen lassen. Der dabei entstandene Chip untersucht die Frequenz, das Timing und die Lautstärke von Geräuschen, die das Mikrofon des Mobiltelefons erreichen. Diese Informationen werden dann verwendet, um das Aufgenommene nach Quelle zu gruppieren. Alles, was dann als Umgebungslärm identifiziert wurde, wird vor der Übertragung an die Gegenstelle herausgelöscht. Es bleibt nur noch die Stimme des Sprechers übrig.
Die Technologie "bildet das menschliche Hören nach – und zwar wortwörtlich", sagt Watts stolz. Er und sein Team hätten die Biologie des Gehirns untersucht und zusammen mit auf das Hören spezialisierten Neurowissenschaftlern entsprechende Innenohr-Simulationen aufgebaut. Das System kann in der jetzigen Version bis zu 25 Dezibel unterdrücken, die Konkurrenz schafft laut Watts nur 6 bis 12. Demonstrationschips werden bereits an Handy-Hersteller verkauft. Erster großer Kunde soll der japanische Elektronikkonzern Sharp sein, der die Technik im Netz des dortigen Branchenprimus NTT DoCoMo testen will.
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(bsc)