Microsoft-Forscherin baut neues Labor in Cambridge auf

Der Software-Konzern plant eine schnellere Umsetzung theoretischen Wissens zu marktreifen Anwendungen.

vorlesen Druckansicht 53 Kommentare lesen
Lesezeit: 2 Min.

Als der Software-Konzern sie vor elf Jahren bat, in seine Forschungsabteilung einzutreten, wunderte sich Jennifer Chayes noch, was Microsoft mit ihren Kenntnissen als Professorin für Mathematik an der University of California in Los Angeles anfangen wollte. "Als Technikchef Nathan Myhrvold sich dazu entschloss, mich und meinen Mann Christian Borgs zu Microsoft zu holen, beschäftigten wir uns vor allem mit abstrakten mathematischen Problemen mit vielen Variablen und komplexen Wechselbeziehungen. Er sah dennoch das Potenzial, dass diese Forschung eines Tages von Bedeutung für Microsoft sein könnte." Inzwischen ist es tatsächlich der Fall: Wie Chayes im Interview mit der Online-Ausgabe des Technologiemagazins Technology Review sagte, konnte sie schon mit so manchem Algorithmus dienen, der moderne Internet-Techniken wie Empfehlungssysteme optimierte.

Chayes gründete unter anderem die Theoriegruppe bei Microsoft Research. Ihre neue Aufgabe tritt sie im Juli an: Dann eröffnet das neue Labor des Konzerns im US-amerikanischen Cambridge, das sie leiten soll – praktischerweise platziert im Wissenschaftscluster rund um Boston. Dabei geht es vor allem darum, multidisziplinär vorzugehen: "Wir wollen in unserem neuen Labor auch deshalb mit Soziologen, Psychologen und Wirtschaftswissenschaftlern arbeiten, weil ich als Mathematikerin aus ihren Erkenntnissen Modelle herstellen kann." Dass sie ihre Arbeit an einer Hochschule aufgegeben hat, um für ein kommerzielles Unternehmen zu forschen, hat Chayes bislang nicht bereut. Im Gegenteil: Sie erfahre schnell mehr von wirklichen Problemen. "Beispielsweise hörte ich sehr früh vom Thema Link-Spamming und wie sehr es die Qualität von Suchmaschinen-Ergebnislisten beeinträchtigt. Im Bereich sozialer Netzwerke bin ich ebenfalls näher am Puls der Zeit als an der Universität."

Das ganze Interview mit Jennifer Chayes in Technology Review online:

(bsc)